Was bin ich? Mein heiteres Beruferaten

Petra Dinhof

von Petra Dinhof

Story

Mein Sohn wurde eingeschult. Sein Vater machte berufliche Veränderungen durch, was ausschließlich Abenddienste für ihn bedeutete. Und ich konnte nicht mehr Theater spielen, da ich mein Kind abends weder allein lassen, noch ständig in Fremdbetreuung geben wollte.

War das das Ende meiner künstlerischen Karriere? Ein schrecklicher Gedanke! Wie auch immer: Ein Tagesjob musste her! Ich war gerade seit 3 Monaten arbeitslos, da ich ja kein Theaterangebot annehmen konnte. Ein Zustand, den ich sehr schlecht aushielt. Aber was sollte ich machen? Ich hatte ein halbes Studium, hatte unterrichtet, verschiedene Jobs gemacht, Kurse besucht… aber nichts Brauchbares für den „normalen“ Arbeitsmarkt.

Eines Tages wurde ich zu einem Treffen des neuen KünstlerInnenservice des AMS eingeladen. Dort waren einige genervte Kolleginnen und Kollegen, die, auch nach jahrelanger Arbeitslosigkeit, einfach nur Künstlerinnen oder Künstler sein wollten. Ich fiel alien – artig auf als ich sagte: „Wenn ich jetzt noch mehr als 5 Tag arbeitslos bin, will ich gerne etwas anderes machen, sofern die Arbeit untertags stattfindet“. Die Chefin des KünstlerInnenservice ließ sich meinen Lebenslauf geben und meinte: „Sie können aber viel!“ Aha, war das so? Konnte ich irgendetwas Brauchbares außer Schauspielen, ein wenig singen und tanzen? Ich fand ja, dass ich nichts Wesentliches konnte, freute mich aber, dass sie mich so sah, maß dem aber keinerlei Bedeutung bei. Wenige Tage später bekam ich einen Anruf von ihr mit dem Angebot, Deutschunterricht für Teilnehmerinnen einer Arbeitsstiftung zu geben. Meinen Einwurf: „Ich weiß nicht, ob ich das kann“ ignorierte sie gekonnt mit den Worten: „Du machst das schon!“ Und sie hatte recht- ich machte es und anscheinend recht gut, denn kurze Zeit später durfte ich, nach einer fundierten Ausbildung zur Trainerin und zum Coach, ein wirklich feines Jugendprojekt übernehmen. Dem folgten viele neue Herausforderungen und jedes Mal, wenn ich Zweifel an meinem Können hatte, kam von meiner Chefin der bewährte Satz: „Du machst das schon!“ Ich bin wirklich dankbar dafür, dass sie immer an mich und meine Fähigkeiten, die mir selbst oft nicht bewusst waren, geglaubt hat.

Trainerin und Coach zu sein ist eine wunderbare Aufgabe, die schon längst viel mehr ist als mein „Brotberuf“.

Und ich bin leidenschaftlich gerne Schauspielerin, ich liebe es, meine Lesungen und Programme zu machen und Event – Theater zu spielen. Auch Moderationen mache ich sehr gerne und bin wirklich froh, dass ich so viel auf der Bühne stehe! Ich brauche es, künstlerisch tätig zu sein, um GANZ zu sein.

Anderen, insbesondere jungen Menschen, als Coach zu helfen ist auch sehr wichtig für mich, um mich GANZ zu fühlen.

Manchmal zerreißt es mich, oft sind die Herausforderungen fast zu groß, aber meistens ist mein Leben bunt, vielfältig und abwechslungsreich und dafür bin ich unendlich dankbar!

Aber was bin ich jetzt eigentlich?

© Petra Dinhof 2020-02-10

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