Der Garten (M)Ein Paradies

Klaudia Rumpold

von Klaudia Rumpold

Story

Meine persönlichen Erfahrungen mit dem Garten sind vielfältiger Natur. Meine Großeltern mütterlicher- und väterlicherseits ernährten sich davon. Auf 600m2 wurden Kartoffeln, Salat, Karotten, Zwiebel, Kohlrabi, Spinat, Kraut, Radieschen, Rote Rüben, Erbsen, Buschbohnen für eine zehnköpfige Familie angebaut. Meine Eltern führten dies zuerst in einem Schrebergarten und später vor ihrem eigenen Haus für vier Personen fort. Wie hat das köstlich geschmeckt, ein frisches Brot mit Butter und darauf der erste Schnittlauch oder die ersten Radieschen vom Garten, ganz scharf!

Ich selbst hatte jahrelang in Wiener Urban-Garden-Feldern eine Parzelle von Mai bis Oktober. Heute kann ich im Garten von Freunden in Niederösterreich als Ausgleich zum Stadtleben in Wien werken und wirken. Blumen, Sträucher, Bäume, Kulturpflanzen stehen unter meiner Pflege und Zuwendung. Selbst produzierte Lebensmittel lassen mich einen Hauch von Autarkie erfahren. Garteln bereitet mir größte Freude, entspannt mich in stressigen Zeiten und lässt mich in den Zustand eines echten Flows geraten.

Ich bin aufmerksam geworden für die unterschiedlichen Gezwitscher diverser Vögel und versuche sie zuzuordnen. Die Gesänge von Amseln, Meisen, Spatzen und Stieglitzen kann ich schon unterscheiden! Desgleichen gilt für die vielfältigsten Arten von Schmetterlingen, die ich anhand eines Erkennungsbüchleins zu benennen versuche.

Geduld zählt nicht gerade zu meinen Stärken. Und so starre ich förmlich auf frisch gesetzte Pflanzen oder auf Beete mit frisch gesäten Samen und warte, dass sich etwas tut, dass ich ein neues Blatt, eine neue Blüte oder einen Keimling entdecke. Eine gute Schule. Die Pflanzen haben ihr eigenes Tempo und ich habe mich zu gedulden. Am meisten begeistert mich diesbezüglich das Basilikum. Es ist ein sogenannter Lichtkeimer. Die Samen werden nur auf die Anzuchterde gestreut und dann sanft und oft mit Wasser besprüht. Sie sind als solche auf der Erdoberfläche durch die Feuchtigkeit als blaue Punkte zu erkennen. Nach 2-3 Tagen schmelzen diese ineinander. Dann ist einige Tage Ruhe und plötzlich sind ganz kleine zartgrüne Keimlinge zu finden. Zusehen, wie Leben entsteht!

Für mich gilt Lernen im und vom Garten. Der Garten ist mein Lebens-Lehrmeister! Ein ständiges Werden und Vergehen findet hier statt. Wo sonst kann man mehr von Leben und Tod erfahren und darüber nachdenken als im Garten? Im Frühling beginnt vieles zu knospen ohne irgendein Zutun. Sonne und Regen können bewegen, manchmal nicht mal das. Einfach die Kraft des Lebens. Das Leben will gelebt sein. Setzt man ab Mai Pflanzen, gedeihen manche ganz prächtig, manche nur sehr langsam, einige verschwinden und gehen ein. Oft weiß man nicht, woran es liegt. Im Herbst zieht sich alles zurück. Aber, bei genauem Hinsehen sind die Knospen für den nächsten Frühling im Winter schon da. Das Leben wartet überall, auch im Sterben.

April 2021, Mag. Klaudia Rumpold, MA

© Klaudia Rumpold 2021-04-25