Rosa Schleierkraut – Teil 1

von Angela Braster

Story

≫Ach nein! Das wär doch nicht nötig gewesen≪, hauchte sie in den eleganten Strauß mit Schleierkraut. Nur Schleierkraut. Keine anderen Blumen. Rosa Schleierkraut. ≫So romantisch!≪ Lara schaute ihn an. ≫Dass du dir das gemerkt hast!≪ Kai lächelte. ≫Ja. Alles, was du mir erzählst, ist wichtig! Ich höre dir immer zu. Ich weiß, wie du deinen Kaffee magst, ich weiß welchen Wein du am liebsten trinkst. Ich habe immer deinen Lieblings-Champagner eingekühlt. Alles für dich. Damit es dir immer gut geht!≪ – ≫Ja, danke. Das ist so toll von dir. So hat mich noch niemand umsorgt.≪

Die beiden kannten sich erst seit ein paar Wochen und trafen sich fast an jedem Tag nach der Arbeit im Café. Danach entschieden sie, was sie unternehmen wollten oder verbrachten den Abend zu Hause bei Kai. Häufig brachte er ihr einen solchen Strauß mit rosa Schleierkraut mit. ≫Sechs Wochen, drei Tage, 7 Stunden,≪ zählte Kai auf. Lara war beeindruckt. In früheren Beziehungen war es immer sie, die mitzählte. Gut. Vielleicht nicht die Stunden. ≫Fehlt nur noch, dass du auch die Minuten zählst≪, versuchte sie einen Scherz. Er schaute auf seine Designer-Armbanduhr, die offensichtlich ein Vermögen gekostet hatte, und sagte: ≫34 Minuten und 3 Sekunden≪. Er lächelte wieder. Lara reagierte mit einem ≫Oh! Damit hab’ ich jetzt nicht gerechnet.≪

≫Morgen lade ich dich zu deinem Lieblingsitaliener ein. Tisch ist reserviert. Der am Fenster, den du so magst, weil du so gerne auf das Wasser schaust, während wir essen. Zieh doch dein schwarzes Kleid an, dass betont deine tolle Figur≪, meinte er. ≫Ich hole dich dann ab. 19:30 Uhr. Und sei pünktlich diesmal≪.

Lara eilte nach der Arbeit nach Hause, duschte, suchte im vollgestopften Schrank nach dem engen Kleid. ≫Eigentlich würde ich ja lieber in Jeans gehen, aber wenn es ihm so gefällt… – Hoffentlich ist es nicht zerknittert bei dem Chaos hier im Schrank. Ich weiß, ich sollte mal wieder … – Wo sind die schwarzen Strümpfe? Die halterlosen. Die findet er so sexy. Ich finde sie allerdings unbequem. – Ach. Hier.≪

Aus einem Berg von Klamotten zog sie einen Strumpf heraus. Den zweiten fand sie unter dem Bett. ≫Bloß keine Laufmasche ziehen≪, dachte sie, während sie die Strümpfe aufrollte und über das Bein vorsichtig hochzog. ≫Haare hochstecken oder offen lassen?≪ überlegte sie. ≫Besser offen. Er mag es lieber so≪. Eilig zog sie die Lippen mit dem leuchtend roten Lippenstift nach, stopfte Handy, Geldbörse und Schlüssel in die schwarze Clutch mit dem Silberverschluss und da klingelt es auch schon. … (Fortsetzung Teil 2)

© Angela Braster 2023-04-09

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