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#1sommer1buch

Die Malaria und Ich

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Die Malaria und Ich | story.one

Die Malaria und ich sind schon einige Male auf Tuchfühlung gegangen. Malaria-Prophylaxe ist kein Thema für mich wenn man monatelang in Afrika unterwegs ist. Auch keine Lust auf Halluzis & nächtliche Schweißausbrüche - Stichwort Lariam - was sogar noch heute verschrieben wird!

Ich musste da also durch, und in Uganda ging das auch in eher harmloser, kurzer Grippeform mit erhöhter Temperatur vonstatten - nur einmal, da trat sie unangenehmerweise in Kombination mit Typhus auf - d.h. hinten und vorne raus - Infusion rein, und dann war's aber auch wieder gut.

Ich kam also bis zum Jahr 2013 immer recht glimpflich davon.

Und da sind wir nun- mir rinnt seit Tagen die Nase, sonst nichts. Blöder Schnupfen, bekommt nicht viel Beachtung von mir. Es ist die Übergangszeit zwischen meinem Baumhaus-Projekt (aus dem ich bereits ausgestiegen bin) und meiner noch in Zukunft liegenden Beach-Bar in Tanzania. In dieser Zeit suchte ich einen Job als Floor-Manager in Dar Es Salaam City. Und bekam einen Probeabend in einem angesagten Restaurant am Hafen. Alles gut, nette Leute, ich versuche bestens aufzutreten und eine charmante Gastgeberin zu sein. Es wird später, ich merke dass ich mich abgeschlafft fühle und setze mich auf einen Hocker zum Personal. Das darf man ja als Floor Managerin. Das Restaurant ist schön bunt beleuchtet, mir wird etwas schummrig und plötzlich wird es optisch wirklich gruselig, denn der Boden und seine Umgebung scheinen heraus zu treten (so stelle ich mir einen "Trip" vor und es ist mir rätselhaft dass das jemand mag). Jetzt weiß ich: "Ich muss schleunigst einen Malaria-Test machen", möchte mir aber nichts anmerken lassen und gehe auf die Toilette um mich kalt abzuspülen. Dann mache ich wieder meine Runden an den Tischen, aber zum Glück ist dann bald Feierabend.

Mit letzter Kraft also nach Hause über die Fähre. Ich sitze noch mit Freunden am Balkon, aber verabschiede mich bald ins Bett. Am nächsten Tag brauch ich eigentlich keinen Test mehr um alles zu wissen - der Schädel zerspringt, Fieber rauf auf 40,5 (!) Grad und nur mehr Schüttelfrost und im Delirium. Das Mittel hilft genau gar nichts und morgen geht unser lang gebuchter Flug nach Wien, denn in TZ ist jetzt Regenzeit und da gönn ich mir ne Pause. Umbuchen geht nicht und wahrscheinlich rettet es mich auch. Als Zombie überstehe ich irgendwie die Flüge plus 5 Stunden Zwischenlandung. Mein Sohn ist rührend lieb & ruhig wie sonst nie. Bei der Ankunft liegen die Nerven blank und ich liege mit einem Heulkrampf in Mamas Armen. Ich möcht mich nur erholen. Aber Schmerzen & Fieber bleiben. Also ab ins AKH, Malaria-Check nochmal bitte. Und sie behalten mich gleich da auf der Tropenmedizinstation für 5 Tage, denn ich habe die schlimmste Form Malaria Tropica, und zwar noch immer! Studenten versammeln sich um mein Krankenbett herum und "erforschen" mich. Wenn ich etwas länger gewartet hätte - wird mir gesagt - hätte die Malaria mein Gehirn angegriffen und wäre wahrscheinlich tödlich verlaufen.

© 1Love 2020-08-31

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