Campingfreuden und Grausen

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Campingfreuden und Grausen | story.one

1978 beabsichtigten wir mit 3 unserer Kinder mit dem Campinganhänger bis Istambul zu fahren.

Unser erster Campingplatz war in Asprovalta, ein mit alten schönen Platanen bestandener Platz . Dann ging es weiter auf die Insel Thasos, wo wir nahe von Limenaria ein idyllisches Plätzchen fanden. Etwa 200m von einem Hotel entfernt, gab es einen kleinen Hügel mit einer ebenen Fläche oben, wo auch einige Bäume und bereits 2 Zelte standen, rechts und links kam man zu einer kleinen Strandbucht. Wasser zum Duschen holten wir vom Hotel mit einem 20 l Kanister, den wir an einem Baumast befestigten. Es war nicht das Bequemste, aber wir fühlten uns dort sehr wohl. Unsere Nachbarn waren Griechen mit 3 Kindern, mit denen wir guten Kontakt pflegten, die andere Familie kam aus Deutschland, der Vater war Grieche, die Mutter Deutsche, die beiden Kinder, 5 und 8 Jahre, sprachen sowohl Griechisch als auch Deutsch und waren unsere Dolmetscher. Eine nette Episode: Ich fragte die kleine Sophia: "Wo wohnt ihr in Deutschland?" Gleichzeitig frage meine Tochter "Wo ist der Dosenöffner?", ich sagte darauf "Wahrscheinlich in der Besteckschachtel" worauf Sophia mich ein bisschen entsetzt anschaute und mit Überzeugung sagte: "Nein, wir wohnen nicht in der Besteckschachtel, schon in einem richtigen Haus!"

Wir verlebten dort eine wirklich schöne erholsame Woche, unsere Kinder verstanden sich mit den griechischen trotz Sprachschwierigkeiten gut, ebenso wie wir Erwachsenen, es gab gegenseitige Einladungen und schöne Abende am Strand.

Nun ging es weiter Richtung Istambul. 8 km vor der Stadt gab es einen großen Campingplatz am Marmarameer - Camping Ataköy- und wir fanden mitten in dieser Zeltstadt von sicher über 100 Zelten auch noch einen Platz, die sanitären Anlagen waren in Ordnung.

Am nächsten Morgen, ein schöner, sonniger Tag, wollten wir uns mit Istambul bekannt machen. Auf dem Weg zu den Waschräumen hörten wir schon, was passiert ist - es rinnt kein Wasser! Dass wir uns einmal nicht waschen können, hätten wir ja noch verkraftet, aber dass in den Toilettanlagen kein Wasser floss, war die Katastrophe pur. Man stelle sich vor, sicher mehrere 100 Camper und keine Alternative. Auf der einen Seite des Platzes war eine mehrspurige Straße, auf der anderen Seite der Strand vom Marmarameer ohne Baum, ohne Busch, ohne alles.

Die Zustände der Toiletten möchte ich nicht beschreiben, da fehlen mir die Worte, das bleibe der Fantasie jedes Einzelnen überlassen, wie es aussehen kann, wenn Hunderte irgendwie ihren Bedürfnissen nachgehen müssen. So können Campingfreuden und Grausen manchmal nahe beieinander liegen!

Am Abend war zum Glück wieder alles in Ordnung, und so konnten wir unsere Tage in Istambul, dieser einmaligen Stadt, doch noch genießen.

Ja, da bewahrheitet sich das Sprichwort: Das Schicksal hat uns zwei wunderbare Gaben verliehen: Die Erinnerung und das Vergessen!

© Adelinde Barilich 30.06.2020