Der Sturz

An einem Abend im November 2015 läutet das Telefon. Es ist mein Mann, der an diesem Tag in Stuttgart zu tun hat. Ich merke sofort, dass etwas nicht stimmt, er sagt nur: "Ich bin verletzt".

Meine Alarmstufe steigt auf 3+. Er ist am Bahnhof mit dem Fuß bis zum Oberschenkel in den Spalt zwischen Bahnsteig und Zug gerutscht. Die Aktentasche fliegt, ihm wird schlecht vor Schmerz. Passanten wollen die Rettung holen, das will aber mein lieber Mann nicht, was will er, er will heim. Er sammelt seinen Koffer ein und schleppt sich weiter.

Noch vom Flughafen telefoniert er mit unserer älteren Tochter (Arzt Nr 1), seinen Schwiegersohn hätte er als Notfallmediziner noch lieber gehabt, der ist aber nicht zu Hause. Mein Mann erhält erste medizinische Tips.

Ich muss ihn nicht vom Flughafen abholen, er kommt mit dem Taxi. Aber der da kommt, ist nicht mehr der, von dem ich mich in der Früh verabschiedet habe. Hinkend, den Aktenkoffer hinter sich nachziehend, taucht er aus dem Dunkeln auf.

Der Fuß ist aufgeschürft, geschwollen und lässt sich seitlich nicht bewegen. Es werden wohl wieder die Bänder sein. Die haben schon ein paar Mal an den Sport glauben müssen. Benötigter Freund und Orthopäde ist grad in Amerika, aber der Freundeskreis ist groß, es gibt noch einen Unfallmediziner. An den ergeht per Mail sofort ein Bericht (Arzt.Nr 2).

Am nächsten Morgen wird der Cousin(Arzt Nr3)kontaktiert, die ersten Rezepte gefaxt, die ersten Schmerzmittel "eingeworfen".

Um 1/2 11 Gibt es einen Termin beim Unfallchirurgen, mit Schiene verlassen wir das Krankenhaus. Ein MRI wird angefordert. Mein Mann humpelt schon wieder ganz flott.

In welcher Reihenfolge weiß ich nicht mehr genau, wird noch unser Hausarzt(Arzt Nr4) und unsere jüngere Tochter(Arzt Nr 5) angerufen. Mein Mann freut sich wie ein Schneekönig, dass beide Töchter per Telefon die richtige Diagnose gestellt haben.

Das Bein schillert mittlerweile in allen Farben und schaut nicht schön aus. Mit Entsetzen stellt mein Mann fest, die Schisaison könnte ohne ihn ablaufen.

Freund und Orthopäde (Arzt Nr.6)kehrt aus Amerika zurück. Noch am gleichen Abend wird er auf der privaten Couch untersucht. Operiert wird nicht, MRI braucht er auch nicht.

Jetzt beginnt der Zeitpunkt, wo die medizinischen Tips nicht mehr ausreichen. Jetzt wird interdisziplinär weiter geforscht, beim....

* Herrenfriseur in Wien: "Tappen" ist das Zaubermittel,

*bei einer lieben Freundin, studiert hat sie Bodenkultur. Naja, man muss offen sein für alles. "Hau die Schiene zum Teufel, aber besorg dir einen Stützstrumpf und geh, geh und geh...

Mein Mann ist von beiden Vorschlägen sehr begeistert. Am Abend kommt er mit einer Schiene aus dem Sportgeschäft nach Hause, er ist sehr angetan. Er beginnt schon wieder vom Tourengehen zu schwärmen.

Als ich dazu meinen Kommentar abgebe, stellt er seufzend fest: "Ich habe gewusst, dass du mir drohst".

Der MRI Termin hat stattgefunden, die Bänder sind nur eingerissen, der Berg ruft, laut, sehr laut....

© Aden