Großmutterfreuden-Großmutterpflichten

Als ich erfuhr, Großmutter zu werden, war das mit einer besonderen Freude verknüpft und auch mit einer fixen Vorstellung, wie ich diese Rolle ausfüllen würde.

Wie diese Rolle ausschauen sollte, war vor allem dadurch festgelegt, wie ich es besser machen würde, als meine Mutter. Denn meine Mutter war mir viel zu wenig aktiv, man nahm sie nicht so gerne in Anspruch, da sie kein Hehl daraus machte, was sie davon hielt: "Ich habe 5 Kinder groß gezogen und das ist genug.

"Kinderhüten" ist nicht mehr meines". Dabei hätte ich sie , wahrscheinlich genauso wie meine Geschwister, gerne in Anspruch genommen.

Wie sehr hätte ich mir gewünscht, dass sie wenigstens einmal im Jahr uns die Kinder abgenommen hätte, damit wir, die Jungen einmal ohne Kids unterwegs sein könnten.

Als wir zu einer Hochzeit in Venedig eingeladen waren, ließ sie sich überreden unsere damalig Jüngste zu beaufsichtigen, nachdem mein Vater versprach, sich frei zu nehmen und sie zu unterstützen. Als wir wieder zu Hause waren, sparte sie nicht mit Worten, wie mühsam es gewesen sei.

Eingesprungen ist sie , ich glaub ein ganzes Jahr, als mein alleinerziehender Bruder zum Zivildienst einberufen wurde, mit dem Erfolg, dass sie an Schuppenflechte erkrankte.

Da stehe ich jetzt mit meinem Rollenbild, neben meiner Mutter und rutsche immer mehr zu ihr hinüber.

Ja meine Mutter fällt mir immer öfter ein. Ich kann sie so verstehen!!

Aber wie "kratze ich die Kurve"? Da gibt es meine emotionale Erwartung, die ich nicht einhalten kann, weil ich jetzt zum 2. Mal nach dem Kinderhüten krank geworden bin und auf Grund meines Parkinsons lang brauche, bis ich mich wieder erhole.

Ich spüre, wie mein Bauch reagiert, wenn ich von aufopfernden Großmüttern höre. Da kann der Kopf noch so sehr entgegen halten. Den eigenen Erwartungen nicht gerecht werden ist schlimmer als alles andere.

Wie ist meine Mutter damit umgegangen? Wie waren ihre Erwartungen an sich selber? Wenn ich unsere Kinder zu diesem Thema frage, erhalte ich die Antwort:" Die Oma war zuständig, dass "Räuberdatschi" und Riebiselschnitten am Tisch waren".

Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, bewusst zu ihr auf die Seite zu rücken, solidarisch mit ihr dort Platz zu nehmen. Damit leben und akzeptieren, dass man halt nicht der große "Oberzampano" sein kann, der alle Erwartungen erfüllt, sondern halt für "Räuberdatschi" und Riebiselschnitten zuständig ist.

"Enkelkinder sind wie Rosinen im Apfelstrudel" ist mein Ausspruch, wenn ich damit zeigen will, wie wichtig sie mir sind. Beide sind sie süß und das ist genug, mit dem legitimen Recht, keinen Erwartungen und Verpflichtungen mehr gerecht werden zu müssen.

Rosinen sind etwas besonderes im Apfelstrudel, Enkelkinder genauso und noch viel, viel mehr und mitgeben und lieben tun wir uns wechselseitig, unabhängig davon, ob die Produktivität nachlässt, ja vielleicht ist das sogar unsere Aufgabe, das zu vermitteln.

© Aden