Josef und Josefa November 1873

Als ich die Aufforderung gelesen habe, die schönste Liebesgeschichte zu suchen, bin ich im Geiste alle Beziehungen von Freunden und Verwandten durchgegangen.

Wäre man ein Fan von Rosamunde Pilcher, dann hätte man einen riesen Fundus an romantischen Liebesgeschichten.

Das bringt mich alles nicht weiter, aber dann ist mir meine Urgroßmutter Josefa eingefallen, von allen Pepi genannt.

Sie war die Tochter vom Wundarzt Hatheyer in Tamsweg und war 1873 bei ihrem Onkel , einem Pater im Stift St. Lambrecht, um Kochen zu lernen( unbedingte Voraussetzung fürs Heiraten).

Gleichzeitig suchte Frau Lettmayer für ihren Sohn eine Frau.Sie erschien beim Vater Hatheyer und bat im Namen ihres Sohnes um Josefas Hand. Ihr Vater hält entgegen, dass Pepi viel zu jung sei, sie ist erst 16. Dieses Argument ließ Frau Lettmayer nicht gelten, das sei ein Übel, das mit jedem Tag besser würde.

Pepis Vater versprach seiner Tochter zu schreiben und sie zu fragen (der Briefwechsel ist in meiner Familie vorhanden).Er gab ihr den Tip, den Onkel zu fragen, wenn sie unsicher sei. Josefa schrieb zurück: "Wie der Vater meint".

Vater Hatheyer entschied sich für eine Hochzeit, der Josef Lettmayer war rechtschaffen, ein Geschäftsmann in Tamsweg, er würde seiner Tochter ein gutes Leben ermöglichen.

3 Monate später wurde geheiratet, der Ehe entstammten 15 Kinder, die jüngste Tochter ist meine Großmutter. Ein erhaltenes Tagebuch gibt Zeugnis davon, dass Josef und Josefa es geschafft haben, dass aus ihrer Beziehung eine große Liebe geworden ist.

Aus schlechtesten Voraussetzungen zu so einer Liebe zu gelangen ist für mich der Grund, sie als schönste Liebesgeschichte zu bezeichnen.

Auszug aus einem Brief

Meine theuerste Pepi!

Tamsweg

am 7. Dezember 1873

Um meinem Versprechen ehemöglichst nachzukommen, schreibe ich Dir gegenwärtige Zeilen und bin in der angenehmen Hoffnung, dass sie Dich in bestem Wohlsein antreffen werden.

Könnte ich statt des Briefes zu Dir kommen, wäre mir wohl noch viel lieber, doch da dieses nicht sein kann, so müssen wir uns einstweilen mit diesem begnügen.

Übrigens war heute Dein Herr Vater bei mir und sagte, dass er Dich schon diese Woche wird abholen lassen, womit er mir wohl eine große Freude machte,denn Du hast keinen Begriff, wie groß meine Sehnsucht nach meiner lieben Pepi ist. Wenn mir nicht ein großes Hindernis in den Weg tritt, so werde ich Dir ganz gewiß bis nach Ramingstein entgegen kommen und dort auf mein Liebstes warten. Glaube sicher,dass ich solange mir das Leben geschenkt ist, Dich stets und unaufhörlich lieben werde und mein Bestreben nur das sein wird, Dir an meiner Seite nur angenehme Stunden zu bereiten. Ich freue mich ungemein auf die Zeit, die uns das fortwährende Zusammenleben mit sich bringt....

Ich werde nun in der sehnsuchtsvollen Hoffnung Dich recht bald umarmen zu können, meinen Brief beschließen und bin mit recht vielen herzlichen Grüßen und Küßen Dein Dich stets aufrichtig liebender Bräutigam

Josef Lettmayer

© Aden