Versuch Mama auf 25 Zeichen zu reduzieren

Runde Geburtstage haben es an sich zurück zu schauen. Dabei sind mir viele Frauen meiner Familie untergekommen, die mich direkt oder indirekt beeinflußt haben.

Über sie will ich schreiben und ich fang mit meiner Mutter (geboren 1918- gestorben 2005)an. Auf Fakten werde ich tunlichst verzichten, die beschreiben meine Mutter nicht. Statt dessen will ich zwei Episoden aus ihrem Leben erzählen und hoffe damit, sie dem Leser ein bisserl näher zu bringen.

1. Episode: Beginn der 50er Jahre. Mamas Cousin ist einer der wenigen Lungauer, der ein Auto besitzt. Er fragt meine Mutter, ob sie nach Salzburg mitfahren möchte, ein Platz sei noch frei. Nachdem meine Großmutter sich bereit erklärt hat, die 3 kleinen Enkel zu hüten,fährt meine Mutter mit.

Beim letzten Anstieg zum Paß, auf Lungauer Seite, kommt ihr Cousin von der Fahrbahn ab, das Auto überschlägt sich ein paar mal und bleibt dann liegen. Alle Insassen sind unverletzt.

Was macht meine Mutter ? Sie klettert zur Straße hinauf und beschließt "Auto Stopp" die Reise fortzusetzen, wo sie doch heute einen Baysitter hat. Wer weiß, ob Oma ihr noch einmal so schnell auf die Kinder aufpassen würde.

2. Episode: Meine Mutter war eine religiöse Frau. Trotzdem ging sie nie bei einer Fronleichnamsprozession mit. Der Grund dafür war, dass es bei diesen Prozessionen fixe Einteilungen gab, die Bäuerinnen, die Bürgersfrauen, die Jungfrauen. Das letzte des Umzuges war eine Gruppe nicht zuzuordneter Teilnehmer. Bei den letzten wollte und konnte sie nicht mitgehen!

Anders die Situation während der Nazizeit. Da besuchte sie selbstverständlich jede Fronleichnamsprozession. Da war es Bekenntnis und für sie völlig selbstverständlich mitzugehen.

Zum Abrunden ihrer Persönlichkeit beschreibe ich eine Eigenschaft, die ich auch gerne hätte:

Leicht hatte es meine Mutter nicht gehabt: 2 mal den Mann verlieren, das erste mal mit 22 Witwe werden, den einzigen Bruder und die älteste Tochter begraben;

finanzielle Sorgen waren ihr auch nicht fremd.

Und trotzdem war sie von einer unbändigen Lebensfreude erfüllt. Ging es ihr besonders schlecht, überlegte sie schon in der Früh, noch vor dem Aufstehen:"Worüber könnte ich mich heute freuen" Es fiel ihr immer etwas ein.

Ob es mir geglückt ist, sie zu beschreiben, kann ich nicht sagen. Gewünscht hätte ich mir eine unbegrenzte Anzahl an Zeichen, um ihr halbwegs gerecht zu werden.

Und besonders geschmerzt hat mich die Tatsache, dass mir 2 dringend benötigte Zeichen bei der Überschrift verwehrt wurden.

Denn natürlich ist die Überschrift falsch und zum Schluß will ich sie so schreiben, wie ich es vorgesehen hatte:

Versuch, meine Mutter auf 2500 Zeichen zu reduzieren

© Aden