Weihnachten im Lauf eines Lebens

Die Weihnachtsfeiertage sind vorbei,die Gäste wieder abgereist, der Christbaum entsorgt,Zeit für einige Gedanken:

Ich komme aus dem Lungau und mein Weihnachten war von ländlichem Brauchtum geprägt. Das hieß:

* Rorate am Hl. Abend um 6 Uhr früh. Mein Großvater hatte testamentarisch verfügt, dass diese Messe jedes Jahr für ihn bezahlt werden müsse. Da hatten alle da zu sein und da waren auch alle da.

* Würstelsuppe, auf die mir immer schlecht wurde. Es wird wohl eher an der Aufregung gelegen sein und nicht an den Frankfurtern.

* Rosenkranzbeten mit dem kindlichen Gefühl, dass die Großmutter wohl nie fertig werden würde.

* Spannung, Gründe gab es immer in unserer komplizierten Großfamilie.

Ein großer Sprung: Weihnachten, wir als Eltern, Weihnachten mit kleinen Kindern, ein unendlicher Zauber, nicht zu beschreiben,wenn man es einmal erlebt hat, weiß man, was ich meine.

Wieder ein Sprung: Heranwachsende Jugendliche, Großeltern, unsere Tante Inge, im Extremfall 4 Personen mehr in unserem Haushalt, die uns be-bzw. aufsuchten.

"Die Oldies kommen", war der saloppe Satz und sie blieben, manchmal bis zu einer Woche.In der Früh wurde oft schon der Menüplan abgefragt, mit der Bemerkung, dass es im letzten Jahr einen Gang mehr gegeben hätte.

Ich hatte das Gefühl aus der Küche nicht mehr rauszukommen.

Einmal hab ich mir, an der Abwasch stehend gedacht, nie wieder, ich mag nicht mehr, ich kann nicht mehr. 2 starben im darauffolgenden Jahr(Ich bin mir direkt schlecht vorgekommen).

Ich erinnere mich auch, dass wir einmal während sie ihren Mittagsschlaf hielten, zum Bahnhof fuhren und Fahrkarten für sie kauften. Es schien, als wollten sie gar nicht mehr heimfahren.

In Erinnerung habe ich auch meine damals schon demente Mutter. Als ich sie einmal im Altersheim abholte, kam sie mir am Arm einer Schwester entgegen, völlig aufgelöst,immer stammelnd, was für ein Glück es sei, dass sie mich getroffen habe.Zu Hause ist sie im Lehnstuhl eingeschlafen, erschöpft vom vielen Weinen.( Ein Bild, dass ich nie vergessen werde)

Heuer feierten wir zum 3.Mal bei den Kindern in Wien.

Ich genieße, aber frage ich vielleicht auch schon, wieviel Gänge es gibt? Und reden die Kinder vielleicht auch schon von den "Oldies"? Wahrscheinlich, Kreislauf des Lebens würde meine weise 6 jährige Enkelin Lisa sagen, ein Lieblingsspruch von ihr.

Und ich erfreue mich an den kleinen Kindern, freue mich, keine Arbeit zu haben, statt den Vormittag in der Küche zu verbringen, verbringe ich ihn in der Albertina.

Und ich hoffe, dass wir noch ein bisserl Zeit haben, bis wir weinend im Lehnstuhl sitzen und dankbar sind, dass wir auf jemanden getroffen sind, der uns heimbringt.

Und ich danke den Kindern dafür,dass sie sich die Mühe machen und uns einladen und wünsche ihnen Kinder, die wiederum Mitleid mit ihren Eltern haben.

Die Chancen stehen gut, es ist ja Lisa dabei, siehe Kreislauf des Lebens.

© Aden