Adolf - Nomen est Omen?

  • 145
Adolf  - Nomen est Omen? | story.one

Ich habe am selben Tag Geburtstag und Namenstag, das ist sehr praktisch, ich bin nämlich an einem 29.September geboren und das ist der Tag des Heiligen Michael, dessen eindrucksvolle Figur auch die rechte Seite unseres Hochaltars zierte. Völlig klar, dass meine Mutter, im Übrigen eine ehrlich katholische Person, nicht lange über einen Vornamen für mich nachdenken musste. Sie hatte die Rechnung aber ohne den Wirt gemacht, denn auf der Suche nach einer würdigen Taufpatin fiel die Wahl auf die Schandlbäuerin aus Schauereck und diese wollte als so ziemlich einzige Großbäuerin an den Südhängen des Wechsels unbedingt ihre Verehrung für die neue Staatsführung zum Ausdruck bringen und so musste dem Michael ein Adolf vorangesetzt werden.

Das ging nicht lange gut, denn in der Russenzeit verbreitete sich die Angst, mir könnte wegen dieses Namens Übles zustoßen, ja ich könnte sogar nach Sibirien verschleppt werden. Wer die Namensänderung bewirkte und wie sich diese in Windeseile verbreitete, bleibt für mich ein Geheimnis und kleines Wunder. Ich wurde auf einmal „der Michl“ und blieb dieser für Volksschulkollegen, die mich später kaum gesehen haben bis heute.

Einmal erlebte ich aber die Angst, ein Adolf zu sein hautnah. Mein Großvater hatte die Tenne und die Stallungen des Pfarrhofgutes gepachtet und so holten wir abends von dort auch unsere frische gemolkene Milch. Der Weg führte am Zinggl-Haus vorbei und dort war gerade die Russische Kommandantur untergebracht. Wir hatten einen überaus treuen schlauen und fleißigen Hund, den Treu, und dessen Hobby war es, einen Kübel mit Milch nach Hause zu tragen. Ich zottelte mit dem Hund hinten nach und als das dem Großvater zu langsam vorkam, rief der ansonsten erfahrene besonnene alte Haudegen: „Adolf, geh a wengerl schnölla!“. Ich glaubte mein Todesurteil sei gefallen. Der auf der Bank vor dem Zinggl-Haus sitzende Offizier lauschte und sagte:“ Adolf komm her zu mir.“ Als er meine fürchterliche Angst bemerkte, versuchte er mich in bestem Deutsch zu beruhigen. Der Krieg sei jetzt vorbei, wir hätten nichts mehr zu befürchten, und die Russen würden niemals einem Kind etwas antun. Es war ein höherer Offizier aus Moskau. Als wir zu Hause ankamen, konnte sich der Großvater nicht genug, über seine Unvorsichtigkeit ärgern.

Aber bald wurde ich wieder zum Adolf. Für manche zum Dolferl und schließlich zum Adi. Für viele meiner damaligen Volksschulkollegen aber bin ich immer noch der „Michel“.

© adi 23.06.2019