Billige USIA-Tschick und wilde Skitage

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Billige USIA-Tschick und wilde Skitage | story.one

1955: Das Jahr begann stürmisch und mit viel Schnee, ich nützte es weidlich und stampfte im Tiefschnee die Schnitzgerbauer-Leiten hinauf und kurvte hinunter, sprang über die Kante zwischen der Gebüschhecke und schoss den Steilhang hinunter - bis ich in der Ebene beim Schäffernbach zur Luckerbauer-Leiten stehenbleiben konnte. Da die Spuren über die wunderschöne Schnitzgerbauer-Leiten von überall, vor allem vom Kirchplatz her gut zu sehen waren, erregten sie Aufmerksamkeit und Bewunderung und bald versammelte sich alles, was Ski hatte auf der imponierenden Leiten, um meinen Künsten nachzueifern.

Auch die fünfte Klasse des Bundesgymnasiums Wiener Neustadt schien etwas für meine Träume vom Skifahren übrig zu haben. Bereits der erste Schultag im Jänner 1955 sollte ein Skitag sein!!! Es ging mit dem Zug auf den Semmering und bei heftigstem Schneefall mit dem Sessellift auf den Hirschenkogel. Die Abfahrt im Tiefschnee - es gab keine präparierte Piste - war ein Stürzen und Kugeln und Rollen im praktisch für fast alle unfahrbaren Schnee. Nur einer oder zwei Skivorzugschüler des Turnprofessors brachten es zustande, mehrere Schwünge hintereinander zu machen.

Aber niemand erlitt einen Schaden und als wir im Zug in der Finsternis wieder bei Gloggnitz hinauspolterten „pofelten“ ich und ein paar Unentwegte bei beißend kaltem Fahrtwind auf der hinteren Plattform des Waggons billige USIA-Zigaretten.

© adi 12.05.2019