Ein Skikurs mit weitreichenden Folgen

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Ich kann mir heute noch nicht erklären, wie es trotz eines total überladenen Stundenplanes möglich war, dass ich die schöne junge Tochter des Dorfarztes beim täglichen Milchholen begleitete. Die schwärmerische Zuneigung führte dazu, dass sie mich bat, sie zum Feuerwehrball zu begleiten. Ich zwängte mich nach dem Abendessen und natürlich strengem Ausgehverbot durch das Toilettenfenster ins Freie, aber kaum war ich draußen, entdeckte mich der eben heimkehrende Hüttenwirt und forderte mich barsch zur Rückkehr ins Haus auf.

Nach meiner Heimkehr nach Wiener Neustadt versuchte ich über die Kellnerin unseres Heimes mit meiner verehrten Salzburgerin Kontakt zu halten. Aber mein Leben sollte sich dramatisch verändern, es kam zwar zu keinem Strafverfahren in der Schule, aber die Stimmung im Neukloster-Konvikt wurde von Tag zu Tag eisiger. Der Studienpräfekt hielt ständig knarrenden Schrittes hinter mir an, bat mich eines Tages zu einem Gespräch und teilte mir kurz und prägnant mit: Man habe mich nun schon längere Zeit genau beobachtet und sei zum Schluss gekommen, dass ich nicht hierher passe, mein Leben nicht weiter im Konvikt Neukloster verbringen könne und ich das Heim zum Monatsende verlassen müsse.

Ich habe oft darüber nachgedacht, wie es zu dem plötzlichen und radikalen Beschluss kam: Ich glaube es war der gutmütig wirkende Pater Edmund, der im BG Wiener Neustadt Religion unterrichtete, der die Botschaft über meinen versuchten Nachtausflug als Skandalgeschichte ins Neukloster brachte. In der Schule gab es keinerlei Gerede oder Konsequenzen.

Ohne Mittel machte ich mich auf die Quartiersuche in der fremden Stadt und entdeckte neue Dimensionen. Ich fand Platz bei einer alten Studienrätin neben dem Kino mit einem zauberhaften Blick in eine weite Parklandschaft. Der Winter wurde nochmals klirrend kalt und das Wasser war in der Früh im Lavoir gefroren, so gewöhnte ich mir bald an, die Schule zu schwänzen und wärmte mich erst gegen elf Uhr an einem sonnigen Dachgeschoßfenster für weitere Tagesabenteuer auf. Dass ich überhaupt eine leistbare Bleibe gefunden hatte, verdankte ich einer wundervollen Fügung. Als ich in meiner Verzweiflung über den Hinauswurf nicht ein und aus wusste, da ich ja völlig mittellos war, erschien Pater Aelred Pexa, Prior des Stift Heiligenkreuz und mein früherer Mathematik-Professor, und sagte: „Lieber Adolf, sei nicht traurig, ich habe immer gewusst, dass du in unserem Hause keine Laufbahn haben wirst, aber du bist ein vorzüglicher Mensch und wirst sicher ein großartiger Familienvater werden. Ich unterstütze dich bis zum Schulschluss mit 50 Schilling aus meiner Privatschatulle.“ Pater Aelred wurde später Abt des Stiftes Rein bei Graz und nahm regen Anteil an meinem weiteren Leben.

© adi