Ein Tennisplatz mit Schönheitsfehler

"Wie holt der denn aus?", tönte es fassungslos in Wien durch den Tennisclub. Ich stand am Zaun und konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen, denn die unästhetisch abgehackte Bewegung hatte der Spieler wohl mir zu verdanken. Ich habe nämlich einst einen ganz besonderen Tennisplatz gebaut:

Schon in der Jugendzeit erfasste mich eine große Zuneigung zum weißen Sport, doch es gab weit und breit keine Möglichkeit, diesen auszuüben. In Graz führte mein Weg oft an den zauberhaften Tennisplätzen vorbei und ich bewunderte die Spieler und Spielerinnen in ihrem zauberhaften weiß. Beim Studium in Wien kamen wir kurzfristig in den Besitz eines zum Abriss bestimmten Platzes und besorgten uns im Dorotheum Schläger und Bälle. Die Qualität kann sich jeder heutzutage vorstellen.

In den Sommerferien benutzte ich das große Garagentor des Feuerwehrhauses als Trainingswand, dies erweckte zusehends das Interesse meiner Alterskollegen und plötzlich war der Gedanke geboren, selbst einen Platz zu bauen, um endlich diesen Sport richtig betreiben zu können.

Gesagt, getan. Langzeit-Bürgermeister Ringhofer war unserem unserem Vorhaben gegenüber aufgeschlossen, organisierte die Überlassung der alten Turnwiese und war uns bei der Verwendung zufällig anwesender Baumaschinen behilflich. Die komplette Planung und Handarbeit leisteten meine Freunde und ich.

Es wurde ein extrem arbeitsreicher Sommer, aber 1964 konnten wir mit dem Spielbetrieb voll beginnen. Wir verzeichneten einen extrem positiven Zuspruch, selbst die Lehrer und der Arzt begannen mit dem Spiel. Bedingt durch die mangelnde Größe des Grundstücks, welches auf der einen Seite durch den Schäffern Bach begrenzt wird und in Unkenntnis der wahren Dimensionen eines Tennisplatzes hatten wir jedoch die Auslaufflächen an der Grundlinie viel zu kurz bemessen. Nachhaltige Auswirkungen auf unsere Ausholbewegung waren die Folge: Ein schöner Schlag von dieser war schier unmöglich, wir mussten den Ellbogen ganz nah am Körper lassen und konnten auch nicht nach hinten trippeln.

Generationen erlernten mit Freude das Spiel auf unserem Schäffener Platz und noch heute kann ich jeden erkennen, der dort Tennis gelernt hat.

© adi