Im Pfarrer-Garten

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Der Pfarrer-Garten war wohl das schönste Grundstück im ganzen Dorfe und für die Landwirtschaft meiner Großeltern ein wahrer Hausschatz, da es ja von den Stallungen im Pfarrhof nur ein paar Schritte bedurfte, um die Kühe auf die saftige Weide zu führen und ebenso wenige zurück. Damit war es oft für mich, den nahezu immer präsenten Kuhhalter, einer der Lieblingsplätze. Die Kühe durfte ich dort allerdings erst im Spätsommer grasen lassen. Das war aber auch die Zeit mit dem schönsten Wetter im ganzen Jahre. So lag ich im hohen Grase am Rücken, bestaunte den tiefblauen Himmel, den zum Greifen nahe goldenen Kirchturm, die über dem Ziffernblatt haftenden Schwalbennester und hie und da einen weißen Wolkenball. Die Luft war unglaublich lau, die Schwalben schwirrten um den zauberhaften Turm, die Glocke tönte im Viertelstundentakt, es war unsagbar schön und wohltuend. Und auf einmal dämmerte mir, bald wird alles vorbei sein, ich muss ja in die Schule gehen. Es erfasste mich eine große Traurigkeit über das Ende meiner paradiesischen Freiheiten.

© adi