In der Schule ja nicht lächeln

Meine Abneigung gegen die Volksschule begann schon lange bevor ich selbst in die Pflicht genommen wurde. Ich glaube es war hauptsächlich deswegen, weil ich die Eltern erzählen hörte, dass sie wegen meines Bruders Pepperl (5 Jahre älter) vom Lehrer XY vorgeladen worden waren, da dieser angeblich immer ein lachendes oder lächelndes Gesicht in der Schule zeigte. Dies wurde anscheinend auch in der Notengebung böse bedacht obwohl mein Bruder ein blitzgescheiter fleißiger Bursche war. Ich entwickelte daraus eine große Abneigung gegen die Lehrer und einen heftigen Zweifel an der Gerechtigkeit der Obrigkeiten.

So wurde bereits der Termin für die Schuleinschreibung - jetzt dämmert mir erst, dass ich damals ja gar kein Österreicher, sondern sogar als Ursteirer Deutscher Staatsbürger war und mich bereits vor der Vollendung des 6. Lebensjahres der Pflicht stellen musste - für mich ein bedrohendes Ereignis. Ich Schritt finsteren Blickes im schönsten Gewande über den Hauptplatz zur Schule, in die erste Klasse rechts vom Hautpteingang und musste sogleich die Schuhe ausziehen. Ich wurde vermessen und gewogen und nach der Größe in eine Reihe – ziemlich hinten – sortiert. Ich fand es ungemein erniedrigend und fühlte mich wehrlos einer Obrigkeit ausgeliefert.

Es war 1944 und der Krieg hatte bereits zu einem gewaltigen Lehrermangel geführt. Für die acht Klassen Volksschule standen drei Lehrkräfte zur Verfügung. Für die erste und zweite Klasse die reizende Frau Reimerth, für die dritte und vierte Klasse ihr jähzorniger Gatte und Schuldirektor und für die fünfte bis achte Klasse wurde sogar der verdienstvolle langjährige vollbärtige Schuldirektor Piskorsch aus der Pension zurückgeholt.

Schon das Schreibenlernen, mit Feder und Tintenfass, sowie nicht radierbarem Tintenstift gestaltete sich zur Qual. Solange die liebevolle Lehrerin am Pult stand hielt sich die Angst in Grenzen, sobald der Direktor mit hochrotem Gesicht nach seinem Staberl fürs Fingerklopfen suchte, wurde die Stimmung panisch.

© adi