Ungezügelte Knabenträume Teil 1

Anscheinend waren wir in den ersten Volksschulklassen doch nicht so ausgelastet und geplagt, wie es mir oft schien. Ich erzählte meinen Schulfreunden Manfred Haas und Adolf Waldherr, dass sich in der Werkstätte meines Vaters auch eine kleine Hacke für Kinder befinde. Ja, die wollten sie sehen und damit arbeiten. Die Schlüssel zur Werkstatt hingen ziemlich hoch, außen links am Türrahmen. Mit gemeinsamer Hilfe und Holzblöcken zum Aufsteigen gelang es uns, den Schlüsselbund zu erreichen und wirklich die Kinderhacke hing ordentlich neben dem Werkzeugkasten. Ja, was nun tun und damit arbeiten? Mein eigentlicher Berufswunsch war, Rossknecht zu werden. Es gab sehr wenige Pferde im Dorf und die Rösser vom Müller, Gastwirt, Landwirt und Fleischhauer, waren unser Traum. Aber wie damit und mit welchem Fuhrwerk Geld verdienen – viel Geld?Adolf Waldherr meinte, wir müssen Pech nach Wiener Neustadt bringen. Pech ist teuer und wird immer teurer werden. Wenn wir da vierspännig nach Neustadt fahren, da verdienen wir einmal sehr, sehr viel.

Aber wo das Pech hernehmen? Gleich anschließend an den kleinen Hof meines Vaters befand sich der Gruber Garten, eine wunderschöne leicht geneigte Wiese mit Obstbäumen aller Art. „Wir müssen nur die Rinde anhacken und dann zuwarten“, meinte Waldherr Adolf. Wir begannen mit den großen Bäumen, ermüdeten aber rasch an der sperrigen Rinde der Birnbäume und wandten uns mehr den dünnstämmigen Bäumen zu. Besonders den Apfelbäumen, die schräg über eine Böschung ragten, da wir hier den besten Stand hatten. Da konnten wir schon fest und ganz tief hineinhacken.

© adi