Ungezügelte Knabenträume Teil 2

Als wir nahezu alle Bäume des großen Obstgartens im Sinne unserer Zukunftsträume bearbeitet hatten entdeckte die Nachbarin Luisi Tante, dass wir gerade dabei waren einen ganzen Obstgarten zu zerstören.Sie rührte in aller Eile ein Wunderrezept mit Lehm zusammen, um die Wunden der Bäume zu verstreichen. Da bemerkten wir, dass der Gruber Bauer von den Karnegger Feldern mit einer Peitsche in der Hand den steilen Karnegger Weg hereinkam und auf die lamentierende Tant aufmerksam wurde.

Flucht, die einzige Rettung.

Ich nahm meine Freunde und stürmte zu unserem Haus (Nr48, heute Bachweg Nummer 1) zurück, über die Stufe hinauf, sah vom Vorraum aus, dass ein schönes Bauernmädchen bei meiner Mami - die eine begehrte Schneiderin war - Kleider anprobierte, schlich rechts zur Stiege in das Obergeschoss und ließ die Haustüre offen, die so unser Versteck abschloss. Mit großer Wut und lautem Getöse trampelte gleich darauf der Gruber in die Küche (Arbeitsraum der Mama) und beschimpfte meine Mutter wüst, dass sie Verbrecher versteckt habe. Es gelang ihr schließlich ihn zu beruhigen und wir schöpften Hoffnung, uns aus unserer verzweifelten Lage befreien zu können. Er polterte davon und wir wagten vorsichtig einen Blick durch das Vorhausfenster. Unser Ziel war, sobald die Luft rein war, leise die Türe zu öffnen und still davonzuschleichen. Doch gerade als Manfred einen Blick durch das Fenster wagte, ging das schöne Bauernmädchen, das die Proben beendet hatte, vorbei, erblickte uns, lief zur Mutter zurück und rief „Da sind sie ja wirklich“.

Mami zeigte sich als strenge aber besonnene Richterin. Obwohl bestürzt über die Untat und den nicht abzuwehrenden Schaden, beließ sie es bei einer strengen Ermahnung – meine Bestrafung wurde aufgeschoben - und dem Auftrag an die Freunde, alles ganz genau zu Hause zu berichten und danach zu beratschlagen, was zu tun sei.

Die Lage war bedrohlich, aber in den Ferien aus eigener Kraft zu bewältigen: Wir mussten um jeden Preis vermeiden, auf den Gruber zu treffen. Äußerst schwierig würde dies mit Schulbeginn, da das Gruber-Haus direkt neben der Schule – zum Hauptplatz hin- gelegen war.

Erst nach über einem Jahr gelang es dem Gruber Bauern einen von uns in die Enge zu treiben uns er sagte zum Waldherr Adolf: "Blöder Bua! Wos rennstn nu oiwei davo?" Wie durch ein Wunder, wahrscheinlich durch die Lehm-Heilung der Tante erlitt kein einziger Baum ernsthaften Schaden. So konnte auch Freund Adolf keine Millionen kassieren, brachte es aber später als Fleischhauer in Deutschland zu Wohlstand und Ansehen.

© adi