Walkürenklänge samt Auswirkungen

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Ich hatte das unfassbare Glück am 3.10. 1966 in Salzburg nicht nur in eine neue Berufswelt sondern auch in ein "Traumland" einzutreten. Natürlich erlebte ich auch das kulturelle Umfeld mit regem Interesse. Ich hörte Karl Heinrich Waggerl persönlich im Adventsingen und verfolgte Karajans Bemühungen auch Osterfestspiele, neben den Salzburger Festspielen, zu installieren.

Und ich hatte das Glück, eine Karte für die Premiere „Die Walküre“ zu ergattern. Obwohl ich Vorbehalte gegen Wagner hatte und meine bisherigen Erlebnisse an der Wiener Staatsoper nicht gerade ermutigend waren – dem Anstellen um eine Karte folgte oft ein höchst anstrengendes Warten auf ein erleuchtendes Klangerlebnis. So fand ich Gründe, es nicht zu oft versuchen zu müssen, um die Freude an der Musik nicht zu verlieren.

Im Festspielhaus erschien ich „schön geschnäuzt und gebügelt“, wie mein Onkel Hans gesagt hätte, hätte er mich dort gesehen. Ich hatte das Glück, noch in meinen geliebten dunklen Matura-Anzug zu passen und war eine ziemlich ansprechende Erscheinung, die in der Pausenpromenade, die Blicke junger Damen auf sich zog. Aber das Erlebnis der Musik und des Bühnengeschehens im Großen Festspielhaus hatte mich in bisher unbekannte Sphären versetzt, ich erlebte Töne und Stimmen, die ich vorher noch nie vernommen hatte und eine Ahnung vom absolut Schönen und Wahren ließ mich erschaudern. So reagierte ich auch nicht auf Annäherungsversuche einer mir noch aus Wien bekannten hübschen Kollegin, die später sehr prominent verheiratet war.

Aber die Walküre hatte auch Nachwirkungen. In der folgenden Karwoche 1967 verbrachte ich einen Skitag mit Freunden auf der Tauplitz. Es gab unglaubliche Schneemengen mit grenzenlosem Skivergnügen, allerdings auch mit einem einzigartigen Sturz, ob der beeindruckenden Walküre – ich fiel in das Schneeloch einer Wächte unter einem Baum und konnte mich aus eigener Kraft nicht befreien. Zum Glück konnten mich meine Freunde nach bangen Minuten herausziehen.

Aber auch die Heimfahrt nach Salzburg wollte nicht so recht gelingen, dichter Schneefall machte die Straße für meinen roten VW-Käfer unpassierbar und ich steckte bei einer Bahnüberführung fest. Zum Glück nahm sich ein Einheimischer meiner an und es gelang uns, den Käfer auf der Straße umzudrehen. Ich wurde freundlich in der Familienpension meiner Skigenossen aufgenommen und kam auf dem großen Matratzenlager neben einer hübschen intelligenten Junglehrerin zu liegen. Sie war an meinen Eindrücken von der Walküre mit Karajan sehr interessiert und selbst als alles ringsherum schlief und schnarchte, plauderten wir noch lange weiter. Fast hätte es aber ein schlimmes Nachspiel gegeben: Einer meiner Freunde meinte ich sei meiner „Bettgenossin“ zu nahe gekommen und machte üble Szenen. Er hatte wohl die Anziehungskraft der Musik falsch interpretiert, denn es ist nicht zur geringsten körperlichen Kontaktaufnahme gekommen, trotz der engen Liegestatt.

© adi