Natur, wie wir sie nicht kennen

Im Jahr 2007 war ich für einige Zeit in Guatemala unterwegs. Eigentlich war es ein mehrwöchiges Seminar in Verbindung mit einer Rundreise. Teils auf eigene Faust, teils organisiert.

Ein Ziel des organisierten Teils war die Maya Ausgrabungsstätte Tikal. Diese liegt im Nordosten des Landes unweit der mexikanischen Grenze inmitten des Urwaldes.

Die Stätte ist sehr beeindruckend, vor allem, da erst ein Teil der Ruinen ausgegraben wurden und man sich frei bewegen konnte - nicht wie bei uns wo man meterweit hinter Absperrungen steht. So war es möglich auf die Pyramiden zu klettern und den Blick über den Urwald zu genießen. Das funktioniert aber nur weil hier sehr wenige Touristen sind und sich diverse aus Europa bekannte Sicherheitsmaßnahmen sich nicht rechnen würden. Man darf nicht vergessen, dass dies ein armes Land ist und damals zumindest die Masse der Bevölkerung von einem US$ am Tag leben musste.

Die Fauna der Region ist interessant aber auch teilweise, ich sag mal, lästig. Vor allem die Brüllaffen tragen Ihren Namen zu recht. Es ist zu Beginn witzig ihnen zuzuhören, aber nach ein paar Stunden ist es doch sehr belastend die permanenten Schreie zu hören. Es waren hoch in den Bäumen Brüllaffen zu sehen und zu hören, am Boden liefen viele andere Affen herum und Gottesanbeterinnen setzen sich gerne auf Hände und Schultern der Besucher. Die Kaffeemücken wären eine eigene Geschichte wert.

Nach ein paar Stunden, es war Zeit für eine Jause habe ich mich im Schatten zu einem Baum auf den Boden gesetzt. Genussvoll habe ich Obst gegessen und, da die Brüllaffen offenbar auch Pause hatten, die Ruhe genossen.

Ich war mit mir und der Welt zufrieden und glücklich mich auf die Reise gemacht zu haben.

Nach dem Essen saß ich noch mit geschlossenen Augen am Baum gelehnt und träumte vor mich hin. Da spürte ich auf einmal ein sanftes Klopfen auf meiner Schulter.

Ich blickte auf und ein Guatemalteke sah mich an, deutete mir aufzustehen und mit ihm mitzukommen. Er war ganz gelassen und sah mich mit einem leichten Lächeln im Gesicht an.

Neugierig wie ich bin stand ich auf und ging mit Ihm um den Baum an dem ich saß. Es war ein relativ großer mit deutlich mehr als einem Meter Stammdurchmesser.

Der Baum hatte auf meiner mir abgewandten Seite ein großes Loch bzw. eine Ausnehmung die fast bis zur Hälfte des Stammes ging.

Mein neuer Begleiter deutete mit seiner Hand in das Loch hinein.

Da sah ich es dann, ganz hinten im Schatten lag zusammengerollt eine wunderschöne Schlange. Als ich die Zeichnung sah wurde mir aber bewusst, dass dies eine Art Korallenschlange war. Sie sind zwar nicht aggressiv aber einige Arten können bei einem Biss einen Menschen töten.

Andere Länder, andere Natur und andere Gefahren. Das Wienerwald Wissen hilft einem hier nicht weiter.

Ich drehte mich um und wollte mich für die Aufklärung bedanken, da war der Mann aber auch schon verschwunden. Ein Foto wurde noch gemacht, dann wanderte ich zur Mondpyramide.

© AHM