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#freundschaft#duundich#1070wien

#7Leben

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#7Leben | story.one

Im 7. aufgewachsen. Im 7. derzeit befindlich. Im 7. hab ich vor zu sterben.

Die letzte ra(s)tlose Hoffnung - mein infantiles Orakel. Befindlich an jener Kreuzung, an der sich Jenny Steiner und Hermann zum ersten Mal unter dem Ahorn, auf dem eine Seidenraupe ein MittagsschlĂ€fchen hielt, gekĂŒsst haben.

Dort klebt diese bösartig-grimassierte SĂ€uglingstotenmaske unscheinbar an der Hausmauer und starrt mit seinen klitzekleinen, leeren Augen auf mich herab. Leise flĂŒstert es. Immer das, was ich hören will.

Ausgelassen „Dracula Rock“ singend - die peinigenden Volksschulstunden ĂŒberlebt - hĂŒpfen Bettina und ich die Burggasse entlang nach Hause. Fast ĂŒberfĂ€hrt uns ein Auto, zu vertieft sind wir in eine hochliterarische Spekulation ĂŒber das „Phantom der Schule“ von T. Brezina. Der Sokratische Dialog wird pausiert, um uns beim Lollipop mit rosanen Beverly Hills Kaugummis (da sind Sticker drinnen von Donna, Dillan, Brenda,...), Kaugummi- und Colaschleckern, sowie einem bunten Gummigetierzoo einzudecken. Im Anschluss folgt eine diskursive Charakter-GegenĂŒberstellung der weiblichen Mitglieder der Knickerbocker Bande: Also wer ist cooler? Lilo oder Poppi?

Angeciderd landen wir in der herzlichen Spelunke Zipp in der Burggasse. Einsame Seelen und AlternativstudentInnen sorgen fĂŒr mehlige Melancholie und heilige Heimeligkeit. SpĂ€rlich beleuchtet von Musik aus meiner Teenagedirtbag-Zeit. Gerade Halt auf den Barhockern gefunden, fallen wir zungentechnisch ĂŒbereinander her. Un(un)terbrochen von Unterhaltungsepisoden. ZĂ€rtlichst beschreibst du deine angedachte sexuelle Vorgehensweise, die uns zu mir nach Hause manövrieren soll. Nein! Ich will dieses nostalgische Rumknutschspektakel auf keinen Fall einem koital-bewusstseinserweiternden-orgiastisch-ekstatischen Intimverkehrsaufkommen opfern. Zu genussvoll erscheint mir das lechzende Warten auf eine geschlechtliche ZusammenfĂŒhrung in den kommenden Tagen. Du bestimmst wann.

„Love reign oÂŽer me“ dröhnt es hippie-manisch aus den Junggesellinnen-Lautsprechern in der Neubaugasse. Deine TĂŒrnummer merke ich mir einfach nicht. Eine Platte nach der anderen schallt, wir trinken Rotwein, rauchen vegan und reden, reden, reden ĂŒber die Musik, die Bands, die BĂŒcher, meine TrĂ€ume, deine PlĂ€ne. Penny und Ruby. Magische Stunden. Zeit um aufzubrechen, ins Konzerthaus. Ein paar PlĂ€tze weiter von Pete Townshend werden wir orchestral von Quadrophenia verschlungen.

FalafeldĂŒrĂŒm oder HĂŒhnerdöhner? Der Berlindöner in der Zieglergasse war genau eine Woche ein Geheimtipp. Danach strömten die Maßen von nah und fern auf Pilgerfahrten zu der heiligen StĂ€tte des Lammfleisches. In der andĂ€chtigen Warteschlange bereite ich mich auf den hochkonzentrativen Bestellakt vor: NĂ€chste! Ich muss schnell reagieren, Meinen Mann im Auge behalten, auf seine Fragen blitzschnell und prĂ€zise antworten: Mit alles? Scharf? Lieblingsfarbe? Zum Mitnehmen?

© aignartig 2020-04-25

freundschaftwiennurduallein

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