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#stermannundgrissemann#jungendsünden#eurovisionsongcontest

#SongContext

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#SongContext | story.one

Am 25.5. 2002 fand sich ein überschaubares Grüppchen an 17-Jährigen in einem schmucken Häuschen auf der Alauntalstraße in Krems ein. Der Wohnsitz der Familie G. wurde auserkoren, da er an diesem Abend nicht unter elterlicher Aufsicht stand.

Der Grund dieser Zusammenkunft: sich gscheit ansaufn. Uns erschien dieser Zweck gar banal: Das kulturelle Flair fehlte. Würdevoll versuchten wir dieses durch das kultivierte Ereignis, den Eurovision Song Contests, herzustellen.

Fernseher an: das eurovisionärische ModeratorInnen-Team lächelte uns entgegen. Kurzum wurden sie ihres Amtes enthoben - „gemutet“ - das Radio auf die coolste Frequenz gestellt: FM4. Ein flüssig-sprudelndes faires Match aus fetzig-komischen Kommentaren auf Basis des präzise beobachteten Contest Geschehens ertönte in zwei männlich-sonoren Stimmen. Welch songcontextuale Götter! Stermann und Grissemann. Gerade wurde ster- und grissemännisch das äußerliche Erscheinen der zu hübschen Moderatorin fein säuberlich auseinander genommen.

Nun in der professionellen Gegenwart von zwei reifen Erwachsenen, konnte das salonfähige Trinkgelage bedenkenlos starten. Waren bei der ersten Darbietung noch alle ansprechbar und konnten vollständige Sätze artikulieren, so war bei Act Zwei den Gesichtern schon eine charmante Röte anzumerken. Während der dritten Performance erklommen wir den Damenspitz. Ab Nummer Vier erschwerte die pensionierte Zunge ein lupenreines Gespräch. Auftritt um Auftritt wurde es rauschiger.

Ster-und Grissemann beschworen ein musisches Happening herauf bei dem sich Wort, Bild und Genuss vereinten. Penibel passten wir unseren kuriosen Spirituosenkonsum der Qualität ihrer Statements an: Auf jede spitz-spritzige Bemerkung zu den clownesken Darbietungen, nahmen wir einen Schluck vom G´spritzten. Je pikant-gepfefferter die Äußerung der radiologischen Zwillinge, umso schärfer die Schnäpse.

Nach Stunden intensiver Alkoholzufuhr, ausgiebigem FM4-Gelausche und ernsthafter Absicht, dem Fortgang des Contests zu folgen, fand ein nahtlos-harmonischer Übergang zu sexuell-harmlosen Übergriffen statt. Dieser ging einher mit einer steten Belagerung der großzügigen Couch. Stermann und Grissemann lieferten den deutschakzentuierten Soundtrack zu saftigem Rumgeknutsche und unbeholfenem Gegrapsche über und unter der Gürtellinie. Üb(e)licher Weise suchte der ein oder die andere unauffällig-lässig das Klo auf, um sich eigenhändig zu entgiften.

In dieser testosteron-entladenen Atmosphäre. Plötzlich! Panik! Die Eltern von S. waren auf dem Weg! Blitzkriegartige Zwangsräumung! Alkoholleichen gestützt von jenen, die noch halbaufrecht gehen konnten, stolperten vom Anwesen, um sich vom Papa-Taxi abholen zu lassen.

Die Siegerin des ESC erfuhren wir zwei Tage später. Zu diesem Zeitpunkt waren wir ausreichend ausgenüchtert, um derartige Informationen aufzunehmen, ohne dass uns erneut schlecht wurde.

© aignartig 2020-06-08

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