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#eigenartig#corcooning

#WirUs

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#WirUs | story.one

Chronisch-coronischer Zeitvertreib: Hände waschen, hochleistungs-aignbrötlern, Hände waschen, telefonieren, Hände waschen, meditieren, masturbieren mit Maß und Hände waschen. Alles zum Zwecke der (g)impflichen Gesundheit, geistigen Belichtung, sprachlichen Weiterbildung und Massenproduktion von harmonisierenden Glückshormonen.

Noch nie habe ich mich mit Kevin allein zu Haus so spirituell verbunden gefühlt. Auf meinem Plattenspieler reichen sich „Isolation“ von John Lennon, „Strange Days“ von den Doors und „Lazarus“ von David Bowie die Nadel.

Ring Ring! Thriatlonische Telefonate frischen meine quarandänische Einöde auf, nehmen allerdings ironische „Iron Man“ - (Klimm)Züge an. Bei diesen kontinuierlichen Schichtunterhaltungen in virtuellen Menschenansammlungen sind vor allem Ausdauer und Multifacing-Fähigkeit gefragt. Beliebte Besprechungsgegenstände: Handwaschungstechniken/-rituale und Klopapierverschwörungstheorien.

Ich genieße die sonntäglich Stille. Jeden Tag Sonntag. Guten Tag! Unbestrittener-ritterlicher Weise birgt diese Gebirgs-Situation positive Aspekte. Die Koala-Koalition klettert endlich gemeinsam entlang des türkis(ch)-grünen Zweigs. Löst so nicht nur den umständlich diskutierten Wellness-Voucher „Lady´s First - Muttertage für Muttererde“ ein, sondern verabschiedet auch das lang ersehnte Paket „Der Storch ist gelandet“ zur Fortpflanzungsförderung.

Sensationslüstern warte ich entspannt auf den apokalyptisch-eukalyptischen Ausgang des Virus. Zweifellos werden sich demnächst die prophetischen Pforten bibliotopisch öffnen. Die Folgen: Umherschlürfende Zombies am Westbahnhof. Vampire beißen sich in der Schlachthausgasse durch. Aber ich fühle mich fruchtbar-furchtlos. Nach jahrelangem Studieren von semi-dokumentarischen Fernsehbeiträgen zu untoten Pandemien (The Walking Dead) und epidemischen Blutsaugern (The Strain), bin ich gerüstet für Zombie-Kombis und Vampir-Kampieren.

Gar bleiben uns beide Szenarien erspart. Da mit Onkel Mulder und Tante Scully aufgewachsen, erscheint mir die Möglichkeit (welche auf der zuversichtlichen Quelle der lang unter Verschluss gehaltenen X Akten basiert), dass es sich um einen „extraterrestrischen Virus“ handelt, am wissenschaftlich blausibelsten. Bestimmt werden wir alle bald zu „kleinen grünen Männchen“ mutieren.

Und jetzt habe ich ein Date. Im Supermarkt vor der Eistruhe.

Nach(t)wort:

- Ausdrücke, die mit Bedacht einzusetzen sind: Die Zeit totschlagen, Dein Lachen ist ansteckend, Hand drauf, Handschlagqualität

- Zu vermeidende Literatur: „Die Pest“ von Camus, „Die Abenteuer des Joel Spazierer“ von Köhlmeier

- Buchtipp: „Die Liebe in Zeiten der Cholera“ von Márquez

- Beschäftigungstipp für Zuhause: Escape the Room, Warten auf Godot

Ich bitte um hygienische Vorschläge für Beschäftigungstherapien mit Klopapier in den Kommentaren!

© aignartig 2020-03-23

corcooning

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