Du schaffst es!

Ich bin eher ein ängstlicher Mensch und hatte bis zum Frühjahr 1999 keinerlei Erfahrung mit Feuerlauf oder Ähnlichem gemacht. DAS änderte sich im Rahmen eines Kunden-Events, den ich damals mit organisierte. Unsere Kunden waren immer schon sehr neugierig und auf Neues focussiert. Deshalb wollten wir ihnen und auch uns etwas besonderes bieten. Wir luden einen namhaften Motivationstrainer ein, der uns auf ganz ungewöhnliche Weise beibringen sollte, unsere Ängste und Selbstbegrenzungen zu überwinden.

Er zeigte uns eine gerade Eisenstange, wie sie auch am Bau verwendet wurde. Durch Willenskraft und etwas Mut sollte dieses cirka 1 cm starke Teil von zwei Menschen in ein V verbogen werden. Mein erster Gedanke war, dass ist völlig unmöglich. Wie soll so etwas funktionieren?

Nach einiger Überlegung hatte ich mich dazu entschlossen, es auch zu probieren. Einzige Voraussetzung für mich war, als zweiten Partner für diese Mutprobe jemanden zu finden, zu dem ich Vertrauen habe. Aus einem Bauchgefühl raus habe ich mich für meinen Kollegen Joachim entschieden.

Wir zwei stellten uns so ungefähr in einem Abstand von 2 Meter gegenüber auf. Wir bekamen vom Trainer jeder einen 20 Schilling Schein, den wir auf ganz klein zusammengefaltet haben. Dieser Schein sollte als einziger Schutz für diese Aktion dienen. Wir legten den Schein an unseren Kehlkopf und platzierten darauf beide die gerade Eisenstange. Auf Kommando des Trainers und Anfeuerungsrufen der Umherstehenden gingen wir jeweils einen Schritt auf uns zu. Ich konnte es nicht fassen. Die Eisenstange verbog sich tatsächlich zu einem V. Tosender Applaus setzte ein.

Mir wurde erst nach einiger Zeit klar, was da abging und was dies zu bedeuten hat. Mit Willenskraft kannst du so viel erreichen, wo du vorher noch geglaubt hast, das ist völlig unmöglich.

Ich spüre heute noch das Gefühl, wie ich nächsten Tag nach Hause fuhr. Es war ein völliges Glücksgefühl. Ich war sooo stolz auf mich.

Heute hängt die von mir und meinem Kollegen verbogene Eisenstange als Beweis für Unmögliches zu schaffen in meinem Vorzimmer. Jedes Mal wenn ich daran vorbei gehe, denke ich: Du schaffst es!

© Alberto