Fliegerbomber fast alltäglich

Die Informationen und Erlebnisse mit den Geschwistern, die damals 6 bis 11 Jahre alt waren, handeln/stammen von meinem 78-jährigen Nachbar Rudolf J. aus der Nähe von Hermagor.

Es passierte, als sie seit einigen Minuten nichts anderes hörten, außer lautes Knattern und Brummen der Motoren, das immer lauter und lauter wurde. Ihre Mutter sagte zu den Kindern

noch:“ Geht ja nicht nach draußen!“, doch so schnell konnte man gar nicht sehen, waren die Geschwister von Neugierde gepackt auf dem Hügel und starrten auf Hermagor hinunter. Sie sahen in diesen Minuten Dinge, die sie in ihrem Leben nie vergessen haben. Rudolf erzählte, dass es um die fünf bis acht Flieger gewesen sein mussten. Sie bombardierten die ganze Stadt, besonders das Sägewerk. Trotz ihrer Furcht vor den Bombern standen die Kinder da wie angewurzelt. Nach dem Angriff flogen die Flieger über den Pressegger-See zum Moor, um dort die leeren Kapseln abzuwerfen. Wenn man dort heute graben würde, würde man unendlich viele Kapseln finden, aber auch Waffen von den Alliierten, die sie vor ihrer Heimreise los werden wollten, um nicht so viel mitnehmen zu müssen. Auch nach dem Angriff flogen die Flieger noch oft übers Gailtal in Richtung Deutschland, um größere Städte zu schwächen.

Nach dem Krieg gab es vereinzelt Bettler, die Arbeit suchten, um wenigstens ein bisschen was zum Essen zu haben, da die Wirtschaft zu dieser Zeit, es war ca. Ende der 40er Jahre, komplett am Boden war. Auch Rudolf als Kind einer Bauernfamilie musste manchmal hungern, dafür hatten sie immerhin immer etwas zu essen. Oftmals, zum Beispiel bei der Waldarbeit oder beim Dreschen, gab es Sterz oder auch Polenta genannt. Gegen Ende, als die Alliierten endlich abzogen waren, startete auch bei Rudolf, der mit zehn Jahren auf den Hof seines Onkels ziehen musste, da der Onkel keine Kinder hatte, endlich die landwirtschaftliche Revolution. Es wurde ein Traktor gekauft, der den Dienst der Pferde ablöste, der Stall wurde umgebaut……

Rudolfs Abschlusszitat war:“ Uns geht es zur Zeit viel zu gut. Jeder hat zu essen, jeder hat ein Dach über den Kopf und jedem steht ein Krankenhaus offen. Das sind Dinge, die zu meiner Jugend nicht so selbstverständlich waren.“

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