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Freiheit und gefangen sein

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Freiheit und gefangen sein | story.one

Wenn wir geboren werden sind wir frei, frei von gesellschaftlichen Regeln, frei von Gedanken.

Wenn wir älter werden lernen wir vieles. Wir lernen was man machen darf und was verboten ist, was moralisch gut und böse ist. Das ist auch gut so und wichtig für ein friedliches Zusammenleben.

Die meisten lernen jedoch etwas was ich als problematisch erachte, und zwar was möglich und was unmöglich ist.

Zur folgenden Geschichte passt folgendes Sprichwort: „Jeder sagte es ist unmöglich, bis jemand kam und es einfach tat.“

Wenn ich heute über die nachfolgende Geschichte nachdenke, kann ich mir oft selbst nicht vorstellen dass ich das geschafft habe, aber bis zur Pubertät (die schwierigen Zeiten erzähle ich euch bald) war ich ein glücklicher, freier Mensch, und wurde so erzogen dass mir klar war wenn man alles für seinen Traum tut kann man auch alles erreichen.

Ich war 11 Jahre alt als ich nach Hause kam, zu meiner Mutter ging und sagte: „Mama ich hab ein Musical geschrieben, hab alle Darsteller, einen Saal, und die Technik, aber für die Proben muss ein Erwachsener dabei sein, kommst du mit?“

Wochen vorher war ich unruhig, ich wollte unbedingt auf die Bühne, aber sah keine Möglichkeit. Und so entschloss ich mir diese Möglichkeit selbst zu geben.

Ich schrieb ein Drehbuch, motivierte meine Mitschüler aus allen Klassen dabei zu sein und ging zum Direktor um den Festsaal als Proben- und Auftrittssaal verwenden zu dürfen. - All das ohne das Wissen meiner Eltern.

Meine Mutter war kurz verwundert und sagte sofort zu.

Die Proben begannen, meine Mutter half mir mit den Choreographien, meinen Klavierlehrer bat ich mein Sololied live zu begleiten und alles lief gut.

Meine Tante, die leider vor einigen Jahren von uns ging war damals im Krankenhaus und neben ihr in der Dialyse lag eine Frau deren Kinder in Afrika waren. Deren Großmutter passte auf die Kinder auf , brauchte jedoch eine Operation um ihr Bein nicht zu verlieren und hatte kein Geld dafür.

Ich fand das schrecklich unfair und so ging ich kurzerhand zu einer Bank in Linz und bat um ein Sponsoring für mein Musical.

Ich stell mir die Blicke lustig vor als ich mit meinen 11 Jahren mein Projekt vorstellen wollte. Aber tatsächlich erklärte sich die Bank einverstanden gegen Werbung auf den Flyern einen kleinen Beitrag zu leisten.

Als der große Tag der Aufführung da war, war ich überglücklich, ich konnte kaum glauben wie viele Menschen gekommen waren.

Mit dem Sponsoring und den freiwilligen Spenden schaffte ich es 1000€ für die Familie in Not zu sammeln.

Die Dame im Krankenhaus wusste von all dem nichts, und als ich ihr das Geld überreichte und ihr sagte dass ihre Mutter nun Unterstützung hätte, rannen Freudentränen über ihr Gesicht.

Diese Freiheit die ich damals fühlte, das Gefühl alles zu schaffen, verlor ich in meiner Pubertät eine Zeit lang, musste kämpfen und fühlte mich gefangen. Gefangen in einer Welt voller Leid und meinen eigenen dunklen Gefühlswelten. Aber dazu ein anderes mal mehr....

© Alicelife 2019-08-22

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