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#1010wien

1010 memories calling

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1010 memories calling | story.one

Ich war damals 17 Jahre alt, und so alt warst du. Jeden Samstag, an den ich arbeiten musste, hast du mich frühmorgens von zu Hause abgeholt.

Ich startete um neun, so blieb uns immer etwas Zeit für ein lieb gewonnenes Ritual. Wir fuhren mit der Straßenbahn bis zum Schottentor. Am Schottentor ausgestiegen, spazierten wir zu Fuß bis zum Volksgarten. Manchmal schien schon die Morgensonne, und verbreitete sich wie eine Glitzerdecke am frühen Morgen über den Ring. Die Stadt schien noch zu schlafen, und oft war es so, als gehöre uns die Innenstadt alleine.

War es kalt, noch relativ dunkel und vielleicht sogar verschneit, machte uns das auch nichts aus. So umarmten wir uns etwas fester, und gingen noch näher beisammen. Was waren wir verliebt, damals 2000, als wir uns kennenlernten.

Wir drehten eine Runde um den Volksgarten, setzten uns gelegentlich auf eine Parkbank, und genossen die Momente des Beisammenseins. Danach bewegten wir uns weiter Hand in Hand über den Ring spazierend. Am Burggarten vorbei, in Richtung Oper. Nur wir, der schöne Anblick der Stadt, nicht viel Zeit, dafür aber in ewiger Erinnerung bleibend und kostbar.

Von der Oper liefen wir über die Kärntner Straße in Richtung Stephansplatz. Die Geschäfte waren noch geschlossen, es war immer noch sehr ruhig. Die Innenstadt hat zu der Zeit etwas Zauberhaftes. So als ob die historischen Gebäude auf den Trubel des Tages warten würden, um von den Menschenmassen aus aller Welt in ihrer prachtvollen Schönheit bewundert, und bestaunt zu werden.

Bevor ich tatsächlich zur Arbeit musste, war unser letzter Halt die Konditorei A. am Stephansplatz. Wir tranken noch einen Kaffee. Ich einen Espresso, du einen Cappuccino. Meist aßen wir noch einen Kuchen, ehe es zurück in Richtung Neuer Markt ging.

Natürlich hast du mich noch bis zum Eingang begleitet, ehe wir uns verabschieden mussten. Aber nicht für lange. Denn, wenn der Arbeitstag vorbei war, und es 18 Uhr wurde, hast du wieder an der gleichen Stelle auf mich gewartet, um mich abzuholen. Lächelnd vor der Eingangstüre. Und ich konnte es nicht erwarten, endlich wieder bei dir zu sein.

So wiederholten wir das Ritual fast zur Gänze erneut. In die andere Richtung. Zu einer anderen Uhrzeit.

© Almedina 2020-03-04

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