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20 Bilder habe ich mir bereitgelegt, und 20 Gläser voll mit Sein. Ich beginne sie mir anzusehen, und spüre tief in mich hinein.

Das erste Bild nehme ich vorsichtig zur Hand, und erinnere mich zurück. Zwei Minderjährige und erwachsene Gesichter blicken mir umarmt, und mit voller Hoffnung entgegen. Hätten wir uns damals aus heutiger Sicht gesehen, hätte keiner von uns je daran geglaubt.

Auf dem zweiten, und dritten Bild sehe ich zwei Menschen, die versuchen sich selbst, und ein Leben zu formen. Von ewiger Vernunft geplagt, und bemüht bloß immer das Richtige zu tun. Wir hatten uns, mehr haben wir nicht gebraucht. Auf 42qm hatten wir unser Glück gefunden, und darauf aufgebaut.

Auf dem vierten Bild wurde es offiziell. Wir waren blutjung, vielleicht war es zu früh, vielleicht auch zu schnell.

Auf dem fünften Bild hielten wir Glück Eins in den Händen, es war ein schöner Tag. Du warst so glücklich, du gabst sie nicht aus der Hand.

Auf Bild sechs zogen wir um, zu dritt auf in ein neues Abenteuer, bereits da, war uns vieles nicht mehr alles so lieb, nicht mehr so teuer.

Auf Bild sieben, acht und neun sehe ich mich selbst auf der Suche nach meinem eigenen Sein. Wir waren zusammen, ich mit meinem Gedanken immer öfter einsam und allein. Ich habe es nicht bemerkt, ich bin etwas schneller davongezogen. Ich war getrieben, ich war auf der Suche. Du bist genügsam und bescheiden, ich wiederum werde von nichts satt, ich werde nicht satt davon meine Flügel auszubreiten um die Welt zu verstehen. Während du mit dem Erreichbaren zufrieden bist, ist mir nicht einmal meine Phantasie perfekt genug.

Auf Bild zehn vergieße ich eine Träne, es war das Ende von Bild vier.

Bild elf, zwölf, dreizehn, und vierzehn haben wir trotz zehn fortgeführt. Weil wir es nicht wahrhaben wollten, dass vielleicht alles umsonst war. Vielleicht auch, weil da noch immer viel war, nur eben nicht genug.

Auf Bild fünfzehn strahlst du, und kannst dein Glück kaum fassen, wegen Wunder Nummer zwei. Egal was in der Zwischenzeit passiert ist oder war: Für sie waren und sind wir immer Eins.

Bild sechzehn und siebzehn waren ein krampfhafter Versuch etwas am Leben zu erhalten, dass zwar Notbeatmet, aber im künstlichem Tiefschlaf lag.

Bild achtzehn zeigt einen erneuten Start und letzten Versuch sich selbst am offenen Herzen zu operieren. Wir wussten beide, das übeleben wir nicht. Wir wussten, es war nur eine Frage von Zeit. Du hattest nur nie den Mut dazu, denn für dich wäre alles perfekt gelaufen, wäre ich so, wie du mich gerne gehabt hättest.

Bild neunzehn zerfällt langsam, es wurde zu oft zur Prüfung herangezogen. Wurde bewertet, überdacht und verworfen.

Bild 20 besteht aus zwei Teilen.

Der erste Teil zeigt das Ende der Geschichte meines Lebens. Das Ende der Prüfung unseres Lebens.

Der zweite Teil sagt, dass nichts umsonst war, Erinnerungen leben. Wir haben versucht, gekämpft und gegeben.

Ab Bild 21 kreieren wir unser neues Sein. Du für dich, und ich für mich allein.

© Almedina