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Bonnie und Clyde der Sandkiste

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Bonnie und Clyde der Sandkiste | story.one

Das eigene Kind ist ein perfektes Alibi, um auch selbst auf dem Spielplatz die Rutschen, Schaukeln und Wippen unsicher zu machen, ohne dass es zu seltsam aussieht. Oft bin ich aber auch froh, wenn meine Tochter einfach ein paar Minuten auf einem Fleck bleibt, damit ich zumindest mit einem Auge ein paar Seiten lesen kann. Heute habe ich sie einfach nur beobachtet.

Sandkiste. Meine Tochter ist sehr mutig, hat grundsätzlich wenig Angst, und ist sehr kommunikativ. Sie geht auf einen Jungen zu, der gerade ein riesengroßes Loch in der Sandkiste gebuddelt hat, sodass nur mehr noch sein Kopf zu sehen war. Sie pirscht sich ran, lächelt einmal ganz freundlich, und startet damit ihm seine Schaufel zu entwenden. Ohne gleich „Das ist aber nicht nett“ zu rufen, beobachte ich nur, und mische mich nicht ein.

Der Junge nimmt sich eine zweite Schaufel und beide buddeln darauf los. Sie fangen zum Quatschen an, erzählen einander wie ihre Freunde heißen, dass sie 4 sind, wie sie heißen, bewerfen einander mit Sand, und lachen sich schlapp. Auch hier kommt kein “Nicht mit Sand werfen weil...“ Ich bin ganz cool. „Vielleicht finden wir Gold!“ „Oder vielleicht Kaka.“ Meine Tochter, der Realist.

Als sie beide kurz aus der Sandkiste laufen, wittern drei schon recht große Mädchen die Chance, und setzen sich in das Loch, dass die beiden so fleißig gebuddelt haben. Als die beiden zurückkommen, stellen sie entsetzt fest, dass jemand in ihr Territorium eingedrungen ist. Die beiden schauen erstmal verzweifelt. Dann sehen sie einander an, nehmen sich an die Hand, und drängen sich ohne wenn und aber zwischen die Mädchen. Obwohl die Mädchen doppelt so alt sind, überlassen sie den beiden den Platz und gehen wo anders im Sand spielen. Die beiden grinsen siegessicher, kichern und buddeln weiter. Nachdem die Mädchen etwas für mich nicht erkenntliches aus Sand gebaut und kurz die Sandkiste verlassen haben, schlugen die beiden zu, und übten Rache, dass man ihnen den Platz zuvor besetzt hat. Die Szene war einfach zu köstlich. Sie sehen einander fragend an, lachen, laufen drauf los, und blitzschnell zertrampeln sie das, was die Mädchen gebaut haben. Verschanzen sich wieder in ihrem Loch und kichern. Die Mädchen kommen zurück, und stellen die beiden entsetzt zur Rede. „Nein, *grins* *Gekicher* wir waren das nicht.“ Die Mädchen gehen genervt, und die beiden freuen sich wieder über ihren gemeinsamen Raubzug. „Das ist nur, weil wir nicht so ein Einhorn haben.“ „Ja, ich will auch ein Einhorn.“

Ich hätte mich sonst im Normalfall mehrmals mit irgendeiner Ermahnung oder Erklärung eingemischt. Vielleicht liegt es daran, dass ich nach 8 Stunden Kinderprogramm einfach müde war, oder einfach, weil ich die Kommunikation und die Aktionen zwischen den beiden so frech und süss fand.

Als der Junge jedoch zu seinem Papa ging und meinte „Papa das ist H., H. das ist mein Papa, war ich wieder putzmunter. Alles gut, sie sind vier. Wir sind am Spielplatz. Alles cool.

© Almedina 2020-07-14

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