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#weltbleibwach

Deine Gedanken, meine Gedanken

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Deine Gedanken, meine Gedanken | story.one

Immer schon habe ich Menschen gerne beobachtet. Auf eine interessierte Art und Weise. Auf eine fragende Art und Weise.

Ich beobachte sie gerne in verschiedenen Situationen. Dabei ist es völlig egal wer, was , oder wie. Einfach jeden.

Ich beobachte gerne Mütter mit ihren Kindern. Ich versuche zu verstehen , was sie einander sagen möchten. Ob das, was der eine sagt, beim anderen ankommt und umgekehrt. Mich interessiert die Art und Weise wie sie miteinander sprechen. Dabei vergleiche ich dann oft. Mich, sie.

Ich beobachte gerne Liebende. Die Blicke, die zwischen ihnen ausgetauscht werden, die Intensität ihrer Gefühle. Ich erfreue mich bei dem Anblick der Freude anderer. Dabei komme ich selbst ins Grübeln, ins Reflektieren. Bilder aus längst vergessenen Zeiten. Emotionen, die irgendwo begraben,und zwischen dem Leben und der Sehnsucht auf der Strecke geblieben sind.

Ich frage mich, was sie in dem Moment empfinden, und hoffe innig für sie, dass sie nicht das Gegenteil erfahren mögen.

Ich beobachte gerne Menschen, die vor lauter Lebensfreude überquellen. Ihre Energie sprudelt nur so aus ihnen heraus. Sie leben in Freude und Begeisterung. Sie scheinen einem damit direkt anzustecken, ohne etwas zu tun. Überhaupt sind mir diejenigen, die einem ohne etwas zu sagen, ohne etwas zu tun, eine unglaubliche Kraft an Inspiration sind. Sie beflügeln einem bloß durch ihr Dasein. Sie sind zwar selten, aber es gibt sie.

Ich beobachte auch gerne solche, die nicht den Anschein machen, als wären sie gerne da. Sie wirken geknickt, sie wirken gebrochen. In den Moment frage ich mich, was mit ihnen wohl passiert ist. Was ist ihre Geschichte. Was hat dahin geführt.

Diesen Menschen zu begegnen, ist für mich die größte emotionale Herausforderung. Manchmal denke ich, ich kann ihren Schmerz und ihr Leid spüren. Es ist oft greifbar, und mein Kopf schreibt ihre Lebensgeschichte dazu. Vielleicht löst es aber auch eigene Erinnerungen und Emotionen aus, deshalb lässt sich vieles leichter nachempfinden, und schwerer ertragen.

So wie vorhin, während ich am Fenster stand, und zwei kleine Vögel beobachtete, die auf dem tropfenden Ast saßen. Ich sah einen alten Mann langsam und gebrechlich über die Straße gehen. Sichtlich herausgeputzt, schien er tief in seinen Gedanken versunken.

In mir stiegen beim diesem Anblick tausende von Fragen auf.

Wir haben Glück, wenn wir so manches von den Menschen selbst erfahren dürfen. Das meiste jedoch bleibt als offene Frage in unseren Gedanken.

© Almedina 2019-12-25

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