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Die neun Schritte dazwischen

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Die neun Schritte dazwischen | story.one

Ich muss, ich kann, ich will und ich soll. Muss ist mir ein Graus, denn ich will oft nicht wenn ich soll. Ich kann dann, wenn ich will. Wenn ich will, dann kann ich es gut. Ich kann es auch gut, wenn ich muss, aber dann fehlt mir die Muße.

Es dreht sich alles viel zu schnell, in meinem Kopf ein Karussell. Aus dem was ist , was war, und was sein wird. Gedanken schwanken, kaum begriffen, aus dem Kontext gerissen. Ich will hier bleiben, muss weiter, es ist oft beschissen.

„Kommst du, ich warte.“ Klar bin gleich da. Ich bin immer da, aber nie wirklich. Ich gehe, und komme nicht an. Und komme ich an, dann lass ich mich nicht nieder.

„Kannst du?„ Ja natürlich. Und das weißt du. Du weißt, dass ich kann, weil ich nicht anders kann. Weil ich ein Untergebener meines Schicksals bin, und mir das in die Wiege offensichtlich gelegt wurde. Weil es mir oft ein Fluch, und der Seele ein Segen zugleich ist.

“Ich brauche...“ Ich weiß was du brauchst, bevor es du selbst weißt. Ich gebe und schaffe, erschaffe und mache oft Unmögliches möglich. Nur was ich selbst brauche, habe ich vergessen. Oft rauscht es an mir vorbei. Ich nehme es sehr leise wahr. Ich versuche es vergebens festzuhalten. Es zeigt sich auch als aufflackerndes Licht am Ende des Horizonts, und lässt mich, wenn auch nur kurz, an dem Gefühl teilhaben wie es wäre wenn... Es erfreut mich kurz, und zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht, bevor es wie eine Blase aus einer Mischung aus Hoffnung und Möglichkeit, zerplatzt. Lange kann ich dem nicht nachsehen, denn ich muss weiter. Weiter weg von mir, näher zu allen anderen.

„Trage mich.“ Ich trage dich gerne. Ich hüte, tröste, und zeige dir die Welt in meinen Armen. Es freut mich, wenn du dich freust, und wenn du traurig bist, dann bin ich es auch. Ich möchte dir eine Welt aus Liebe, Spaß und Freiheit bauen, doch fürchte ich, wenn dich die schnelle, laute und verrückte Welt eingeholt hat, werde ich dies nicht aufhalten können.

Wenn sich alles viel zu schnell bewegt, und sich der Stundenzeiger der Wanduhr in Zehnerschritten zu bewegen scheint, dann komme ich nicht umhin mich zu fragen, wo die neun Schritte dazwischen geblieben sind.

Sie sind bei ihm, bei ihr, bei ihnen, bei denen, bei der Routine, bei den Anforderungen, bei den Erwartungen, bei dem müssen, sollen, hätten, bei der Pflicht, bei der Vernunft, beim System, beim Zwang, beim „es gehört sich so,“ und „es ist halt so.“

Ich hätte sie lieber für mich. Für meine Phantasie, für meine Inspiration, für das Wollen, wünschen, für eine gute Zeit, für das Genießen und innehalten. Für alles Schöne, für alles Leidenschaftliche.

Für kostbare Momente, und ewige Erinnerungen. Für alles, dass nicht sinnlos verfliegt, sondern im Herzen wie ein Gemälde aus Erfüllungen bleibt.

© Almedina 2020-01-24

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