skip to main content

Ein bescheidener Tag

  • 174
Ein bescheidener Tag | story.one

Um es nett auszudrücken. Ein Tag dieser Tage, an dem man lieber im Bett geblieben wäre.

Mich fröstelt es, irgendwie fühl ich mich nicht so wohl. Krieg ich Fieber? Habe ich womöglich das *** Virus? Verdammtes Virus, sie machen die Leute wahnsinnig damit, und dabei soll es nicht schlimmer sein, als eine gewöhnliche Influenza. Ich bin sauer, wütend. Wieso tut man sowas. Links von mir, und rechts von mir die Ubahnzeitungsfanatiker, die sich an den Negativschlagzeilen ergötzen, ohne zu wissen, dass diese keine Bereicherung, sondern lediglich zur Hirnzellenverstümmelung geeignet ist. Und ich ärgere mich, dass ich diese depperten Schlagzeilen sehen muss, weil sie links und rechts von mir wie ein Autounfall ausgebreitet liegen. Bäh.

Mein linker Schuh fühlt sich zu klein, mein rechter plötzlich zu groß an. Was ist da bloß los heute. Irgendwie passt garnichs, und nichs fühlt sich richtig an. Ob man mir heute etwas recht machen könnte, denke nicht.

Ich werde von einem Kunden schriftlich zusammengeschissen, obwohl ich mich wirklich bemüht habe es ihm recht zu machen. Vergebens. Er war nicht nett zu mir, und ich war sauer. Wütend. Dieser... Mensch. Ja, die Rückantwort habe ich mir mit viel ein- und ausatmen gut gewählt überlegt, um meinen Ärger nicht so offensichtlich zu machen.

Während ich mich nach links drehe schmeiße ich meine Handtasche um, und das Ding ist voll. Kindergarten Geburtstagseinladungen flattern mir entgegen, alte Lohnzettel, Kaugummis, ein Teelöffel. Wait. Teelöffel? Was, ach egal. Ich räume den Inhalt des Reisekoffers ein, und schmeiß beinahe meinen Teebecher um. Kann dieser Tag noch bescheidener ablaufen?

Die Musik ist mir mal zu laut, mal zu leise. Ich sitze in der Straßenbahn. Das Kind hinter mir hat sichtlich Spaß daran mit seinen Füßen gegen meine Rückenlehne zu hauen. Soll ich mich umdrehen? Nein, ich schau drein wie Dreitage Regenenwetter, ich möchte kein Kind erschrecken. Der Typ neben mir kaut dermaßen laut an seinem Kaugummi, dass ich einen Gehörschutz brauchen könnte.

Mir kommt in den Sinn, was ich denn heute noch so machen sollte, und meine Laune wird nicht besser. Ich fahre meine Reifen gepflegt gegen den Randstein. Meine Felgen und meine Stoßdämpfer sind wenig amused. In der Kurve schneidet mich so ein Vollkoffer, dass ich vom Lamm zum A***fahrer mutiere, und er Glück hat, dass wir uns nicht persönlich begegnen. Alles im Stillen, denn du verdammtes, blödes A*** kommt nicht so gut, wenn deine Vierjährige hinten sitzt.

Ich frage mich warum ich denn so mies gelaunt bin. Ich weiß es nicht. Ich fühle mich einfach nicht rund. Es ist eine Mischung aus es fehlt mir was, und ich hab zu viel.

Drum mache ich das, wobei nicht viel schief gehen kann, ich schreib ne story. Auf story.one

© Almedina 2020-02-26

Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um Almedina einen Kommentar zu hinterlassen.