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Ein Leben in Excel

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Ein Leben in Excel | story.one

Früh morgens bin ich aufgewacht. Um mich herum ein Kästchen. Ein fetter Rahmen um mich, der verhindert, dass ich ausbreche. Ich klick mich raus, und lande im nächsten Raster. Gefangen in einem Rechteck, suche ich nach einer Formel der Befreiung. Visuell entferne ich die Gitternetzlinien, aber die Biester sind zwar unsichtbar, jedoch immer noch da. Die Tore sind deshalb nicht offen, und ich springe von Feld zu Feld. Jedoch verschwimmen die Grenzen, deshalb brauchen Menschen diesen Schutz vermutlich.

Ich ziehe eine Summe aus all meinen Erfahrungen, und die Berechnung ist nicht möglich. Mein Kopf schlägt Text vor, während das System gerne eine Standardeinstellung hätte. Nur so funktioniere ich nun mal nicht. Lass stecken, ich kann Kopfrechnen. Das Kästchen hier oben sollte ab und zu trainiert werden, damit es nicht verkümmert.

Ich formatiere meine Zellen neu, und hoffe, dass sie auf Zwei Dezimalstellen gerundet werden, doch das passiert nicht. Unzufrieden mit mit dem Ergebnis, runde ich und bemerke, oft sind Dinge nicht so wie sie scheinen. Eine falsche Rundung kann das gesamte Folgeergebnis verfälschen.

Gut, dann WENN das so ist, DANN ist das halt so, aber deshalb muss ich es nicht für gut heißen. Nur wenn es WAHR ist, kann es immer noch FALSCH sein. Wenn/Dann ist prinzipiell für mich eine schlechte Formel, weil sich meine Werte innerhalb der Zellen sekündlich oft verändern. Dann ist FALSCH vielleicht wahr, und WENN hat es oft nie gegeben.

Ich verweise oft meine Gedanken an Stellen, um nach mir zu suchen. Prompt kommt die Fehlermeldung, ich hätte zu mir zu wenig #BEZUG. Fehler bei der Spalte im meiner Matrix. Der #WERT hatte sich spontan geändert, kommt wohl bei meiner sprunghaften Art vor, und durch unfreiwillige Leerzeichen, ende ich als ein #NV.

Ich möchte die HÄUFIGKEIT berechnen, in der ich mich in jemanden geirrt habe, und einen MITTELWERT erstellen . Das Ergebnis lautet #ÜBERLAUF.

Eins sei gesagt, die GLÄTTEN Funktion hat nichts mit den Haaren zu tun. Ich habe immer noch Locken. Aber dafür keine Leerzeichen.

Excel und ich stehen uns noch sehr respektvoll und verhalten gegenüber. Ich weiß oft nicht genau, welchen Befehl ich ihm geben soll, und er ist oft mit mir verwirrt. Damit ich zum richtigen Ergebnis komme, müsste ich halt wissen, was er von mir will.

Der Excel. Ich habe Excel einfach als männlich ernannt. Bei so viel Komplexität ist das ja nur zu naheliegend.

© Almedina 2020-07-24

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