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#1080wien#weltbleibwach

Erinnerungen

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Erinnerungen | story.one

1997. Der Schulball rückte immer näher, und unsere damalige Lehrerin versuchte uns mit aller Kraft und Motivation einen Walzer näherzubringen. Schwierig für mich, denn schon damals ließ ich mich ungern führen. Diese Einstellung behielt ich bis heute. Frei nach dem Motto „Wenn ich tanzen will, dann tanz‘ ich so wie es mir gefällt...“

Mein Tanzpartner, an den Namen kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern, war um es lieb auszudrücken, eine Mischung aus Schlaftablette und meditativen Zustand. Entsprechend fiel vermutlich auch unsere Eröffnung des Balles aus. Was nebensächlich war weil...

Ich hatte so und so nur Augen für ihn. M war mir am Schulgang aufgefallen. M war ein Jahr älter, und seine Klasse befand sich einen Stock oberhalb. Da uns das Betreten der anderen Stockwerke in den Pausen verboten war, landete ich mindestens ein Mal in der Woche deshalb beim Direktor. „Warst schon wieder oben?“ So lautete stets die Begrüßung, wenn mich Herr K - der Schreck der Schule - zum Direktor führte. Lächelnd, und mit halbernster Miene, ließ er mich gehen. Wir wussten beide, es war nicht das letzte Mal, und wir würden uns bald wiedersehen.

Auch wenn es nur ein paar Minuten waren, so freute ich mich jedes Mal ihn zu sehen. Er war beliebt, er war schlau, und als würde das nicht genügen, sah er einfach um es in den Worten von damals wiederzugeben „soooo süß“ aus. Ich bemühte mich, mich mit aller Kraft in den Fokus seiner Aufmerksamkeit zu bringen. Allen schien es aufzufallen, nur ihm nicht.

Der Tag des Abschlussballes war also gekommen. Nach der Eröffnung zog ich dieses Kleid, eine Mischung aus Omas Vorhang und rosa Bonbonpapier aus, und warf mich in mein Abendkleid. Lang, rot, und von Kopf bis Fuß mit Tüll bedeckt. Ich weiß jetzt im Nachhinein nicht, was schrecklicher ausgesehen hat. Ich hatte immer schon einen Drang zur gelegentlichen Geschmacksverwirrung. Ich steh dazu.

Wie das in dem Alter so ist, standen die Jungs auf einer, und die Mädchen verlegen auf der anderen Seite. Jeder in der Hoffnung, der oder die Eine, würde auf einem zukommen.

Ich wartete nur auf M. Innig habe ich nur gehofft, er möge mich bemerken. Nichts wäre an diesem Abend für mich schöner gewesen. Nichts hätte ich mir so sehnlichst gewünscht, als mit ihm zu tanzen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, und dutzenden Akten der Verzweiflung, stand er vor mir. Er sah mich an, lächelte, und wir tanzten miteinander. Der Moment war perfekt, und ich vergaß alles um mich herum. Bei jedem Song hoffte ich, er möge niemals enden. Ich wollte den Augenblick einfach festhalten. So tanzten wir mehrmals miteinander.

Während des letzten Tanzes, und während aus den Lautsprechern „Un - Break my heart“ von Toni Braxton ertönte, fiel mir schmerzlich ein, dass es das letzte Schuljahr für ihn an dieser Schule war. Die Mischung aus Freude, Traurigkeit und Aufregung ließ mich bei dem letzten Tanz weinend zurück.

© Almedina 2019-12-27

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