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#gestendermenschlichkeit

Resilient Phoenix

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Resilient Phoenix | story.one

Eine Astrologin bezeichnete mich einmal als den „Phönix aus der Asche.“ Der Satz blieb zwar irgendwo im Kopf hängen, doch so wirklich darüber Gedanken gemacht habe ich mir nie. Nachdem er mal wieder in meinem Kopf spukte, nahm ich mir die Zeit, um diesen Mythos auf den Grund zu gehen. Interessant finde ich ihn als Parallele zu meiner Persönlichkeit.

So weit ich zurückdenken kann, stolperte ich oft, und stand immer einmal mehr auf als ich fiel. Mein Leben hat einen Kurvenverlauf, bei dem einem durchaus schwindelig zumute werden könnte, und sich der Phönix durchaus die berechtigte Frage stellte, warum er aus der Morgenröte wieder erwachen sollte.

Weil man immer eine Wahl hat. Deshalb vermutlich. Viele äußere Einflüsse liegen nicht in unserer Hand. Vieles können wir nicht beeinflussen, aber wir können die Perspektive ändern. Wir können die Art und Weise ändern, wie wir Dinge sehen und empfinden. Ich konnte den Krieg nicht beeinflussen, den ich als Kind miterlebt habe. Ich weiß bis heute nicht warum das alles geschah, und dass es für Nichts gut war. Aber ich weiß eines. Wäre dem nicht so, so wäre ich nicht hier. Ich würde jetzt nicht in diesem Land leben, nicht in dieser Sprache schreiben, in der ich das jetzt tue. Ich wäre niemals Menschen begegnet, denen ich in diesem Land begegnen durfte. Mein Leben hätte mit Sicherheit eine andere Wendung genommen, und es wäre mit großer Wahrscheinlichkeit keine leichte.

Würde man bei der Tatsache verbleiben, dass man etwas Schreckliches erlebt hat, so würde man schlichtweg in dieser Situation ausharren, bis sie einem noch mehr Schaden zufügt, als sie das realistisch gesehen eh schon getan hat. Ändert man aber den Zugang zur Thematik, so bleibt sie immer noch als Wahrheit erhalten, jedoch weniger schmerzvoll. Nicht nur das, sondern in dem ich der Negativerfahrung trotz allem einen positiven Aspekt, und weiters einen positiven Nutzen für das weiterführende Leben benennen kann, habe ich kein Gefühl von Ohnmacht, sondern Kontrolle. Man erlebt sich nicht mehr, oder weniger als Opfer.

Sehe ich in einer vergangenen Beziehung verlorene Jahre, oder bin ich dankbar danach zu wissen, was ich anders haben will.

Sehe ich auf einen Job zurück, mit nervenaufreibenden Vorgesetzten und Kollegen, so kann ich Wut empfinden, oder kann ich davon mentale Stärke entwickeln.

Ärgere ich mich über Dinge die ich nicht haben kann, oder schätze ich die, die ich als mein oder in meinem Leben haben darf. Sage ich mir, das erreiche ich nie, oder nehme ich kleine Schritte in die richtige Richtung.

Ich möchte nicht sagen, dass einem diese Denkweise immer gelingt. Es gibt immer Phasen, bei denen es einem schwer fällt etwas Positives zu sehen, das einem sofort eine andere Sichtweise liefert. Jedoch, wenn man sich immer wieder in Erinnerung ruft, dass man es einige Male bereits geschafft hat, ist die Wahrscheinlichkeit groß, die Wendung zu erreichen.

Und wenn das die Definition eines Phönix ist, dann haben wir wohl etwas gemeinsam.

© Almedina 2020-04-21

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