Sorglose Tage

  • 320
Sorglose Tage | story.one

Vor ein paar Jahren, machte ich für eine Woche Urlaub in der Steiermark. In einem kleinen Örtchen, gottverlassen und klein. Im Gepäck jede Menge Make Up, und Sommeroutfits, doch die sollten sich als unnötig erweisen.

Die Umgebung war nichts als Natur in ihrer reinsten Form, ein Hochgenuss an Perfektion, wie Gott sie schuf. Der Ort hat gefühlt ein paar Hundert Einwohner, ein kleines Café, ein winziges Museum, und ein paar lebensnotwendige Läden. Das wars. Man kommt schnell drauf, wenn die Reizüberflutung nicht gegeben ist, was Wesentlicher ist als das.

Komplett umgeben war das Örtchen von Bergen, die sich schützend über diese Idylle hielten. Auf der Weide grasten Kühe, der Duft der Blumen wäre zu schade gewesen, um ihn mit YSL zu bedecken. Die Sonne, und der Wind, der öfter aufkam, lies das Gesicht rosig und frisch wirken, warum mit Make Up etwas bedecken, dass die Natur einem als naturgegeben gratis, aber nicht umsonst schenkte.

Es folgten Tage mit langen Wanderungen. Tage des Badens in naturbelassenen Seen, der Ruf nach Freiheit war vom Tal in die Berge hörbar. Es war magisch.

Was so ein Paradies noch perfekter macht als es bereits ist, ist gute Gesellschaft. So lernte ich M. kennen. Theoretisch erwachsen, im Kopf allerdings ein Tagedieb par excellence. Das Leben schien für ihn eine ewige Spielwiese zu sein, in seinem Kopf reihten sich Geschichten nach Geschichten, er tat bloß das, dass seinem Gemüt auch gut tat. Diese Art und Weise zu leben, ist etwas, wie es für mich zwar wünschenswert, allerdings in Praxis immer ein Ding der Unmöglichkeit war. Hier nicht. Alles schien so einfach, und leicht zu sein. Alles folgte einen natürlichen Fluss, wie der kleine Bach, der gemächlich floß, ohne darüber nachzudenken, warum er das tat. Er folgte nur seiner Natur. So fühlte ich mich in dieser Woche.

Ich sprang barfuß, und bekleidet in einen kalten Fluß, suchte nach Steinen, die mir ins Auge fielen. Ich beobachtete ihre Formen, Farben, und stellte mir Fragen dazu. Ich rannte völlig bekleidet durch einen aufgedrehten Feuerwehrschlauch durchs Wasser, und war selten so befreit und glücklich, wie in diesem Moment. Ich pflückte Beeren vom Strauch weg, die wir am Wegrand fanden. Ich trank Café in einem Kuhcafé, und hörte mir Geschichten im Märchenwald an. Ich fuhr dutzende Male wie ein kleines Kind mit der Sommerrodelbahn, und schaute so gerne von Oben auf dieses magische, unscheinbare, und voll mit Erinnerungen verbundene Örtchen herab.

Abends spielten wir einfach Spiele, und das eine oder andere Lied, ist immer noch in Erinnerung geblieben.

Es hat kein Make Up gebraucht. Keine schicken Klamotten, oder Luxus. Das pure Gefühl der Einfachheit, Freiheit und der naturbelassen Umgebung, hinterlassen einen der schönsten Urlaube, die ich je erleben durfte.

© Almedina 05.04.2020