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Und die Petersilie sprach zu mir. Not.

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Und die Petersilie sprach zu mir. Not. | story.one

Habt ihr euch schon einmal gefragt, warum ihr dies oder jenes nicht mögt? Lebensmitteltechnisch gesehen. Warum etwas den einen schmeckt, und der andere völlig ablehnt. Zugegebenermaßen, es ist wohl keine existenzielle Frage. Vermutlich könnte man auf diese auch getrost verzichten, aber ich nahm sie zum Anlass zur Selbstreflexion.

Petersilie, Koriander, Sellerie und Kokosmilch. Das sind meine Experimentpartner.

Petersilie. Sag mal, warum mag ich dich nicht. Ich nahm ein Blatt davon, sah es mir an. Eigentlich siehst du ganz nett aus. Gut, dann lass uns näher an die Sache rangehen. Ich biss hinein, und kaute daran voller Neugier, als würde die Petersilie mit letzter Kraft und zerkaut aus meinen Mund sprechen, und Antworten liefern. Doch es kam nichts. Die Petersilie ist, was sie ist. Die Antwort konnte ich mir nur selbst geben.

Du bist dominant. Du glaubst in jeder Suppe die einzige Zutat zu sein, aber das bist du nicht. Du bist Teil eines Ganzen, und allein schmeckst du ganz fade. Was schade ist, denn eigentlich bist du ganz OK. Ah, alles klar. Ich verstand...

Koriander. Wir waren uns noch nie grün. Dann lass uns mal sehen, was du zu sagen hast. Nichts. Kein Thema, ich spreche für uns beide. Du bist so derb, aufdringlich und hast einen unglaublich langen Nachgeschmack. Es ist so, als wolltest du jeden Geschmacksrezeptor vereinnahmen, überschatten und determinieren. Sorry, aber wir kommen nicht zusammen. Ich halte an meinen Prinzipien fest. Geh, und grün wo anders.

Sellerie. Beiß. Kau. Stille. Fragen. Meinerseits. Kräftig, aromatisch, und denn noch: Du triggest irgendeinen Nerv in mir, der mich nervt. Du bist irgendwie irgendwo zwischen Reiz und Brechreiz. Mal so, mal so. Mal so, mal so! Das kommt mir bekannt vor. Es nervt. Manchmal. Sorry Sellerie, es liegt nicht an dir.

Kokosmilch. Süßlich. Eigentlich weich. Nett. Angenehm in jeder Form. Eigentlich. Was stimmt hier nicht. Ich rieche dich gerne. Ich habe keinen Einwand. Ich habe keinen Vorwand. Du bist im Grunde genommen perfekt, aber ich suche einen Hacken an dir, etwas, dass dies widerlegt. Ich begreife...

Ein Geruch ist in der Lage uns innerhalb von Sekunden an eine bestimmte Situation oder einen bestimmten Ort zu bringen.

So ist Geschmack in Prinzip durch unsere Geschmacksrezeptoren an unsere Emotionen gebunden. Bestimmte Geschmacksrichtungen triggern vermutlich auf unbewusster Ebene ein Gefühl dass entscheidet, ob wir etwas mögen oder nicht. Und wenn wir genau hinsehen, entdecken wir vielleicht Themen, die mit dem Gegessenen an sich primär nichts zu tun haben.

Wir lehnen wahrscheinlich eine Emotion die damit verbunden ist ab.

Kartoffel. Es gibt keine negative Assoziation zu Kartoffel. Manches ist eben perfekt. So wie es ist.

© Almedina 2020-07-04

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