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„Unname des Jahres“

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„Unname des Jahres“ | story.one

SABINE, falls das ihr richtiger Name ist. Ciara könnte sie auch heißen, oder einfach nur eine „Blöde Situation.“

Wegen Sabine bin ich gestern, anstatt am Sonntag in Wien gelandet. Unser Flug aus Göteborg wurde am Sonntag wegen „Sabine“ gecancelt. Da ich weder Fernsehen noch Nachrichten gelesen habe, die mir im Urlaub überhaupt herzlich wurscht sind, habe ich nichts von dem Unwetter mitbekommen. Am Schiff dachte ich noch, “es is aber heut windig und wackelig.“ Dass das unseren Flug beeinträchtigen könnte, der Sinn kam mir nicht. Warum auch. Flieg ja nur heim. Der Reihe nach wurden alle Flüge gecancelt. Aber nach Wien doch nicht, “Wien ist anders.“ Nope. Wurde auch gestrichen. Klar, lieber sicher am Boden, als in Lebensgefahr da oben.

Die größte Enttäuschung dabei war das komplette Versagen an Service der Airline. Nun standen wir da. Dutzende ratlose Gesichter, und nicht ein Mitarbeiter der Airline vor Ort. Eine Email haben wir bekommen. Juhu. Nein. In so einer Situation brauche ich keine Email, ich will mit einem echten Menschen sprechen. Ja so altmodisch bin ich. Ich zahl ja auch noch mit Zahlscheinen. Aber das ist eine andere Geschichte. Inhalt der Email: Es tut uns leid. OK. Sie können den Flugpreis erstattet haben, oder umbuchen auf den nächsten Flug. OK. Nächster Flug ist am Donnerstag. Zur Info, wir hatten Sonntag. Nicht OK. Was mir dazu im ersten Moment einfiel, das möchte ich nicht widergeben. Seitens des Infoschalters wurde uns eine Nummer in die Hand gedrückt, unter der niemand erreichbar war. Es war bereits 22 Uhr, draußen stürmte und regnete es. Das Flughafen Hotel war natürlich restlos ausgebucht. Wieder zurück in die Stadt, im nächsten Hotel einchecken. Die ganze Nacht war ich mit dem recherchieren von Bussen, Zügen, Flügen beschäftigt. Ich bin nun bestens informiert gewesen wann welcher Flug quer durch Europa fliegt. Ich habe mit diversen Airlines und Kundencentren telefoniert. In Deutschland, Schweden, Österreich, ja sogar mit einem Callcenter in Indien!

Das Schlimmste in der Situation war für mich das Gefühl, irgendwo festgehalten zu werden, ohne etwas persönlich beeinflussen zu können. Mein „Worst case szenario.“ Ich kann es garnicht leiden etwas nicht unter Kontrolle zu haben, und besonders nicht, wenn etwas nicht nach meinem Kopf läuft. In solchen Situationen bin ich nicht ich selbst. Ich bin im Grunde genommen ein friedliebender Mensch, aber da brennen bei mir sämtliche Sicherungen durch. Sicherheitshinweis: Bei Auftreten, Abstand halten. Zum Glück gibt es aber auch solche Menschen , auf die man sich in dieser Situation verlassen kann. Danke!

Etwas Positives hat die Situation dann doch, nämlich, dass man merkt, dass es Dinge gibt, die man nicht in seiner Hand hat. So gerne sich so mancher Mensch als Gott aufspielt, und glaubt alles mit Macht und Geld kaufen zu können, so muss auch dieser sich eingestehen, dass es nur eine „Sabine“ braucht, um sich der Natur ausgeliefert, und ganz klein zu fühlen.

© Almedina 2020-02-12

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