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Zeig mir wie du schreibst

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Zeig mir wie du schreibst | story.one

Ich bekomme beruflich täglich Kundenbriefe zu Gesicht. Ich habe mir darüber schon öfter Gedanken gemacht, wie der Mensch dahinter wohl sein könnte, nur anhanden seines Briefes, in dem er uns mitteilt, was sein Anliegen ist.

Darunter verbergen sich wenn man etwas aufmerksam ist zahlreiche Hinweise auf den Absender.

Die alte Dame / Der alte Herr:

Der Brief ist meist lang, und sehr umfangreich. Sehr oft auf schönem Briefpapier geschrieben. Er ist höflich formuliert, und mit Ort und Datum versehen. Was aber den Brief auf erstem Blick unverkennbar macht, ist die meist schöne, jedoch stark zittrige Schrift. Ich sehe im Zuge der Bearbeitung immer gerne nach, wie alt der Mensch ist. Meist zwischen 80 und gar 95. Ich freue mich auch jedes Mal darüber, dass ich es richtig erkennen konnte.

Der „Rate wer ich bin Typ“

Hier gibt es nur kurz und knapp Ich will, ich brauche. Mit freundlichen Grüßen, T.F. Das macht aber nichts. Eignet sich bestens zur Detektivarbeit. Man sucht dann nach einem noch so kleinem Hinweis um denjenigen zu identifizieren. Und wenn mann ihn dann hat. Ha! Wow Erlebnis.

Der Geschichtenerzähler

Ausführlich wird jeder Vorgang und Schritt genauestens beschrieben. Ob es nun zu der Anfrage passt oder nicht. Könnte vermutlich in einem oder zwei Sätzen formuliert werden. Vermutlich jemand, der gerne schreibt. Vielleicht perfekt, für story.one.

Der “Versuche mich zu entziffern“ Typ

Unlesbare Sache. Man glaubt garnicht wieviele Kombination möglich sind, bis man herausgefunden hat, wie die Person heißt. Könnte ein Arzt sein, besonders in Eile, oder einfach nur ein Witzbold.

Der „Deutsch nicht als Muttersprache hat„ Typ

Wird meist von einem sehr jungen Menschen geschrieben. Vermutlich vom Sohn oder der Tochter für die Mama, den Papa oder sonstigen Angehörigen. Besonders makant: Das U: Unterschrift. Wie man es in der Schule noch zu meiner Zeit im Mitteilungsheft gemacht hat. Diesen Briefen stehe ich etwas emotional gegenüber. Auch ich kenne das. Dadurch, dass ich relativ schnell Deutsch gelernt habe, war das etwas, dass ich für meine Eltern, Verwandte und sogar Bekannte machen durfte.

Der „Ich will, dass es erledigt ist, bevor der Brief da ist“ Typ

Hier erkennt man bereits an der Schreibweise, dass es emotionale Vorbelastungen gibt. Nicht zwingend im Zusammenhang mit der Anfrage. Im Allgemeinen ist dieser Kunde ein Dampfkessel, dem nur das Tüpfelchen auf dem I fehlt, um vor lauter Druck überzugehen.

Emotionen spürt man nicht nur in der Präsenz eines Menschen , sie sind in allem erkennbar. Wenn man sich die Mühe macht, und das notwendige Interesse hat, dann lässt sich in allem und jedem ein gewisses Muster erkennen.

© Almedina 2020-01-21

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