Eine Bergwelt aus anderer Perspektive

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Eine Bergwelt aus anderer Perspektive | story.one

An einem heißen Juli Tag. Ich war mit meinen Vater und seinen Kollegen unterwegs in Richtung Nazogl. Ein Berg in der Steiermark an der Grenze zu Oberösterreich. Eine schöne leichte bis mäßig anspruchsvolle Wanderung ist das.

Wir waren voll ausgerüstet mit Steigeisen, Sitzgurt, Karabiner und Stirnlampen. Unser Bergführer hatte ein Seil, Eisschrauben und noch so Einiges mit dabei.

Ich hatte zu tun das ich der Männerpartie nachkam. Der Bergführer schlug ein rasantes Tempo ein. Abseits des Wanderwegs, über Stock und Stein ging's im Eiltempo Bergauf.

Es hieß durchhalten, ich wollte nicht die Erste sein die nach einer Pause verlangte. Doch plötzlich abrupt machten wir Halt.

Sehr zufrieden äußerte sich der Bergführer über seine sportliche, bergerprobte Gruppe.

Nach 15 Minuten lockerer Gehzeit waren wir dann am Ziel. Natürlich nicht am Gipfel des Nazogls. Unser Ziel, am ersten Blick sehr unscheinbar, mitten im Wald ist es gelegen. Ein paar große Steine und in der Mitte ein Ansatz einer höhlen-förmige Vertiefung, die wie es schien nicht unweit wieder endete. Nicht beachtenswert.

Doch dies war der Eingang in eine andere Welt. Gespannt mit herzklopfen und voller Ausrüstung betrat ich das Portal ins Innere des Berges. Das vermeindliche Ende der Höhle mündete in eine verworrene Dunkelheit. Dahinter ein senkrecht abfallender vereister Wasserfall, der ins Schwarze nichts viel.

„Das kann doch nicht sein Ernst sein“. Doch, war es. Nach ein paar gekonnten Handgriffen seitens des Bergführers glitt ich am Seil entlang in die kalte Tiefe des Berges. Nach einer gefühlten Ewigkeit, wieder Boden unter den Füßen. Die Steigeisen griffen ins planke Eis. Mit den nachkommenden Gruppenmitgliedern wurde das Licht unserer Stirnlampen immer heller. Ich befand mich in einen Saal aus Eis der in einen kniehohen Durchgang mündete.

Mich wunderte nichts mehr. In Bauchlage robbten wir durch den kurzen Tunnel, ehe es im leicht aufrechten Gang weiter ging.

Ich befand mich in einer verborgenen Welt, umringt von etlichen Kubikmetern Berg. Ein Palast aus kristallklaren Eis, hell erleuchtet durch unsere kleinen Lampen. Ein Palast aus mehreren Etagen, die immer weiter nach unten führten. Kuppeln aus Eis, dazwischen majestätische Säulen. Ein verborgenes Geheimnis aus Wasser, in einen Aggregatzustand der es verzauberte. Dieser Einzigartige Anblick ließen Zeit und Raum vergessen, nichts erinnerte mehr an einen heißen sonnigen Juli Tag. Der Berg gewährte uns großen Einblick in seine innere Schönheit. Weit nach unten drangen wir vor, bis die Gänge im Nichts endeten.

Unsere Gruppe soll an diesen Tag besonder weit ins Innere des Berges eingetaucht sein. Doch das Ende war dies noch nicht, denn das wahre Ausmaß des unterirdischen Höhlen-Netzwerkes liegt noch immer im Geheimen.

Derzeit soll der schmale Durchlass zugefroren sein, das Innere verborgen. Der Berg verschloss es. Umso dankbarer bin ich für das Erleben einer Bergwelt aus anderer Perspekive.

© Ana 25.04.2020