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Lauf, Anna lauf!

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Lauf, Anna lauf! | story.one

Lauf einfach, halt durch, dachte ich mir. Doch ich konnte nicht laufen. Ich wollte es, aber ich konnte einfach nicht mithalten. Keine 200 Meter schaffte ich durch zu laufen. Mir schnürte es die Kehle zu, es war schrecklich, ich wurde kurzatmig, bekam keine Luft. Es half nichts, ich musste stehen bleiben. Mit vorgebeugten Oberkörper rang ich nach Atem, ehe ich die Runde im Schritttempo fortsetzte. Einige meiner Schulkollegen überrundeten mich zu diesem Zeitpunkt bereits. Aber auch die nicht so sportlichen meisterten diese Runde besser und schneller. Es war zum Verzweifeln. Ich wollte zu den sportlichen gehören, wollte diese kurze ca. einen Kilometer lange Strecke durchlaufen.

Aber es ging nicht, ich ging jedes Mal K.O.

Tja, wo ein Wille ist wohl nicht immer ein Weg. Selbst meine Sportlehrerin, die von meinem Ehrgeiz begeistert war und mich absolut nicht entmutigen wollte, meinte, dass eben nicht alle 12 Jährigen fürs Laufen geschaffen währen.

Dies konnte ich auch irgendwann so akzeptieren. Mit meiner molligen Figur war ich eben alles andere als sportlich. Jedoch stellte sich ab diesen Zeitpunkt eine regelrechte Abneigung gegenüber dem Laufen ein. Gegen diese sinnlose Bewegung und der daraus resultierenden qualvollen Atemnot, die Schmerzen in meiner Kehle und im Brustkorb verursachte.

Längst vergessen war dieses mehr oder weniger traumatisierende Kindheitserlebnis, als mich mit 24 Jahren ein plötzlicher Bewegungsdrang überkam. Aus einer mir unerklärlichen Laune heraus, schnürte ich regelmäßig meine Laufschuhe.

Mein Tempo, langsam und gemächlich aber es ging und das Beste, es machte mir Spaß.

Manchmal verabredete ich mich dann auch mit einer Freundin zum Laufen. Einer sehr sportlichen Freundin. Dies war auch der Beginn unserer sehr guten Freundschaft. Ihr Traum wäre es einmal einen Marathon zu finishen, erzähle sie mir damals.

„Ein ganzer Marathon! Nein das wär nichts für mich“, gab ich zu verstehen. „Denn eigentlich bin ich gar nicht so geschaffen fürs laufen“, stellte ich ergänzend fest.

Meine Freundin nahm dies so hin und wir verabredeten uns weiterhin zum Laufen. Aus langsam und gemächlich wurde schneller und weiter. Und plötzlich waren mein Ehrgeiz und mein Wille geweckt. Da muss doch noch mehr gehen. Könnte es nicht doch möglich sein?

Ein halbes Jahr später. „Lauf Anna, lauf!“, riefen sie mir zu, als sie meine Namen auf der personalisierten Startnummer lasen. Lauf, halt durch, dachte ich mir kurz vor der Ziellinie, als ich meinen ersten Marathon, gemeinsam mit meiner Freundin finishte.

Einfach nur Laufen, Gas geben und durchhalten, dachte ich mir in der Zwischenzeit so einige Male. Drei Marathons, und etliche andere Läufe kann ich bereits verzeichnen. Und auf so manches Ergebnis bin ich richtig Stolz. Doch das Beste es macht mir immer noch Spaß.

Die Vorfreude ist groß. Das nächste Laufevent kommt bestimmt. Lauf, Anna lauf werde ich mir denken und mit einem Lachen im Gesicht über die Ziellinie sprinten.

© Ana 2020-10-17

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