Nah am Abgrund

  • 365
Nah am Abgrund | story.one

Es war ein wunderschöner Tag. Ich hatte dieses unbeschreiblich schöne Gefühl in der Natur zu sein auf diesen Gipfel zu stehen, den 2197m hohen Scheiblingstein. Ein Berg der Haller Mauern.

Bevor ich mich für die Abfahrt bereit machte hielt ich noch kurz inne. Ich genoss den Ausblick, dachte nach und war einfach nur dankbar für diesen Moment. Ich wusste diesmal wird alles passen, ich werde gut unten ankommen. Dem war auch so und ich konnte mit diesem Ereignis, mit meinem Erlebnis, und mit dem was passiert ist abschließen.

Was passiert ist? Bereits zweimal zuvor hab ich die Skitour auf den Scheiblingsstein von der Bosruckhütte aus beschtritten.

Beim ersten mal fehlte es mir einfach an Erfahrung. Immer wieder bin ich beim Aufstieg abgerutscht. Harscheisen hatte ich nicht dabei, mein Bauchgefühl sagte mir: “dreh bitte um“, doch es war ja nicht mehr weit bis zum Gipfel.

Oben angekommen wollte ich einfach nur mehr hinunter, genießen konnte ich gar nichts. Ich hatte Angst. Heil froh war ich dann unten, nie wieder wollte ich so schlecht vorbereitet eine Skitour gehen. Vielleicht auch nie wieder auf diesen Berg.

Ein Jahr später, mit etwas mehr Erfahrung und besser vorbereitet machte ich mich wieder auf den Weg. Ich bin gut oben angekommen, fühlte mich sicher. Die Abfahrt stand mir zwar noch bevor doch jetzt am Gipfel konnte doch nichts passieren. Gemeinsam mit vielen anderen Bergsportlern verbrachte ich meine Gipfelrast. Einer davon meinte zu mir „ Dirndl geh bitte nicht mehr weiter hinaus du stehst nah am Abgrund, vielleicht auch schon in der Luft“.

Gedanken verloren ging ich ein Stück weiter hinein, die Schneewechten waren gewaltig. „Schon beeindruckend dieser Berg auf der einen Seite ist er relativ flach, auf der anderen Seite fällt er senkrecht ab“ dachte ich mir.

Es kamen immer mehr Tourengeher an. Ich machte noch ein paar Fotos und einen letzten Blick auf die beeindruckende Bergkulisse. Meine Skischuhe musste ich noch zu machen. Plötzlich machte es einen “Duscher, “ ein Geräusch das auf so einen Gipfel nicht hingehört und danach Aufruhr unter den Menschen.

Mein Blick richtete sich nach vorne, ca. 20 m entfernt ist eine Wechte abgebrochen, es wurde mir bewusst mit dieser Wechte ist ein Mensch den Abgrund hinunter gestürzt. Die Einsatzkräfte wurden informiert doch für ihn kam jede Hilfe zu spät.

Resigniert fuhr ich hinunter. Dies werde ich nie vergessen.

Es regte mich aber auch zum Nachdenken an. Verstehen kann ich dieses Ereignis wo ein Mensch verstorben ist nicht . Aber für die Zukunft kann ich mir was mitnehmen. Ein Bewusstsein für alpine Gefahren und dass wir manchmal näher am Abgrund stehen als wir denken. Und Dankbarkeit für die Schönheit der Natur die man auch genießen kann wenn man nicht ganz oben ankommt.

Auf diesen wege möchte ich natürlich auch meine Aufrichtige Anteilnahme den Angehörigen des Verunglückten gegenüber ausdrücken.

Ich wünsche allen Lesern schöne und sichere Momente in der Natur.

© Ana