Flugzeugabsturz und wahre Freundschaft

Es sind die plötzlichen und kurzen Erlebnisse, die das eigene Leben unwiderruflich und nachhaltig verändern. Bei mir war dies ein Flugzeugabsturz vor rund 25 Jahren, den ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht hätte überleben dürfen, wenn da nicht...

Mit Freunden planten wir einen Kurzurlaub im wunderschönen, herbstlichen Barcelona. Der Hinflug gestaltete sich relativ problemlos bei Tageslicht und gutem Wetter. Der Rückflug allerdings mit unserer kleinen zweimotorigen Propellermaschine war so, also ob wir eine Nussschale zwischen den immer wieder aufblitzenden Wolken im Meer des Himmels wären. Brummen des Motors, leichte Schläfrigkeit und riesige Wolkenhaufen. Zudem hatte der Pilot den Abflug von Barcelona nach Wien von Anfang an unterschätzt, war zu wenig vorbereitet, denn die Wetterverhältnisse waren sehr schlecht. Heute weiß ich, sie waren eindeutig zu schlecht. Aber in unserem Piloten vereinten sich Unerfahrenheit mit absoluter Selbstüberschätzung. Alles in allem also keine optimale Ausgangslage für einen problemlosen Rückflug.

Beim Anflug nach Wien war keine Sicht mehr gegeben, es war ein feuchtkalter Herbsttag. Und plötzlich schlagen wir brutal auf dem Boden auf, mitten auf einem Feld kurz vor Wien. Der Aufprall reißt uns das Fahrgestell weg und wir schlittern direkt auf einen Windschutzgürtel zu, der uns mit einem mörderischen Knall die die Tragflächen abreißt. Zuletzt krachen wir in eine zehn Meter tiefe Schottergrube. Das alles ist so schnell passiert, dass es das Bewusstsein in seiner Abfolge gar nicht mehr richtig registrieren konnte.

Ich war derartig schwer verletzt, dass ich mich nicht mehr rühren, ja nicht einmal mehr die Finger bewegen konnte. Ich verspürte Wehmut, den Tod unmittelbar vor Augen, und war traurig darüber, große und wichtige Lebensziele bis zu diesem Zeitpunkt nicht erreicht zu haben.

Aber mein Sitznachbar Andreas hat mich gerettet. Selber schwer verletzt zog er mich aus dem brennenden Wrack ins Freie. Das war ein heroischer Akt, für den er später von unserem Bundespräsidenten – zurecht - einen hohen Orden erhalten hat. Ich weiß nicht mehr, wie lange es gedauert hat, aber irgendwann traf dann die Rettung ein, die uns zum Spital brachte.

Seit diesem Tag sind Andreas und ich Freunde, ich verdanke ihm mein Leben. Und komme, was wolle, wir zwei fahren seitdem jedes Jahr gemeinsam in Urlaub, jeder darf abwechselnd das Ziel aussuchen, und dort feiern wir dann unseren „zweiten Geburtstag“ zusammen.

Was hat der Flugzeugabsturz in meinem Leben verändert? Er hat mir einen wahren Freund geschenkt. Und später noch zwei tüchtige Söhne, die nach Unglück das strahlende Licht der Sonne erblicken durften.

Und ein erfülltes, konstruktives, wunderschönes Leben.

© Andre d'Aron