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Alles kann, nichts muss

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Alles kann, nichts muss | story.one

„Jetzt ist Zeit!“ propagierte ich selbst noch vor Tagen und stimmte den Kommentaren anderer zu, die davon sprachen, was man nun endlich tun könne, wenn man nicht zur Arbeit fahren müsse und diese von daheim erledige.

Einige freuten sich, endlich Zeit zu haben, unerledigte und längst fällige Dinge tun zu können, wie den Kasten auszusortieren, die Küche zu putzen oder das Büro aufzuräumen. Da diese Dinge nun nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehören, hielten sich meine Begeisterungsstürme diesbezüglich in Grenzen. Die Bügelwäsche steht also immer noch, im Büro herrscht wie üblich kreatives Chaos und auch das Ausmisten wird von Tag zu Tag verschoben.

Dann wiederum war zu lesen, dass man sich viel mehr seinen eigenen Kindern widmen könne. Das ist nun ein Gedanke, der mir in der Theorie zwar gefällt, der aber der Praxis von Home Schooling, gepaart mit der eigenen Home Office-Arbeit, widerspricht. Natürlich kann jetzt jeder seine Sache im eigenen Biorhythmus und daher wesentlich entspannter angehen, die Auswirkungen auf das familiäre Gesamtgefüge bleiben jedoch suboptimal. Auch der Aufforderung, sich am Nachmittag im Garten oder in der freien Natur aufzuhalten, sehen die Nachkommen mit einiger Skepsis und einer Portion Unwillen entgegen. Von Romantik ist im Alltag auch wenig zu spüren und bevor der Lagerkoller ausbricht, bleibt nur noch die eigene Flucht in die unendlichen Weiten der pannonischen Tiefebene.

Nun gut, kommen wir zum viel propagierten „Mach endlich das, was du immer schon wolltest!“ Ja, eh. Aber zum Malen fehlt mir die Muße, zum Lesen bin ich abends oft zu müde und ein Buch schreiben … Hmmm, siehe Absatz zwei bis vier. Na ja, man sollte Ratschlägen anderer ohnehin nicht so viel Glauben schenken, sage ich mir dann, sonst setzt man sich viel zu sehr unter Druck und dieser macht bekanntlich krank. Ein Zustand, den sich speziell jetzt niemand wünscht.

Außerdem, so ist den Medien zu entnehmen, wird sich die Allgemeinsituation nicht so schnell ändern, also bleibt immer noch Zeit, um … eh scho wiss’n. Und diejenigen, die all das schaffen, was man selbst nicht auf die Reihe kriegt, denen ist sowieso nicht recht zu trauen. Daher halte ich es mit dem vielzitierten und für die jetzigen Verhältnisse angepassten Spruch: „Fröhlich sein, sich selbst Gutes tun und die Besserwisser pfeifen lassen!“

© Andrea Kerstinger 05.04.2020

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