Herzklopfen

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Herzklopfen | story.one

Ich kenne die Prozedur, aber ich bin trotzdem etwas aufgeregt. Heute ist meine 1. Mutterkindpass-Untersuchung. Heute werde ich mein zweites, noch Ungeborenes sehen können. Seit der Erstkontrolle sind 3 Wochen vergangen. Ich gebe wie immer die Harnprobe ab und warte. Obwohl es inzwischen normal ist, dass man Maske tragen muss und Händedesinfektion bekommt, ist es ein seltsames Gefühl, diesen Abstand zu wahren. Andere Patienten gibt es nicht, ich bin die Einzige im Warteraum, während eine Dame noch im Untersuchungsraum ist.

In der Zwischenzeit misst mir die Assistentin den Blutdruck und macht Gewichtskontrolle. Alles super, ich werde wieder rausgeschickt und warte auf die Ärztin. Kurz darauf holt sie mich ab und spricht mit mir über die Schwangerschaft und die weiteren Untersuchungen. Der Blutbefund war wunderschön, es gab nichts zu beanstanden. Da ich in der 1. Schwangerschaft einen verkürzten Gebärmutterhals hatte bekam ich prophylaktisch etwas zum einnehmen. So und jetzt kanns endlich losgehen, ich möchte mein Baby sehen! :-)

Ich liege auf dem Stuhl und warte gespannt, bis ich etwas sehen kann. Seit sie dieses hochauflösende neue Ultraschallgerät hat, sieht das alles so groß und detailliert aus. Und da ist es! Ja ich kann es sehen und zwar sehr gut! Den Kopf, die Finger. Und es bewegt sich schon. Ich kann es kaum fassen und bin einmal mehr fasziniert, wie schnell die Entwicklung im Mutterleib voranschreitet und dass man schon winzige Bewegungen sehen kann. Ich finde es als das größte Wunder, das die Natur geschaffen hat.

Und dann höre ich den Herzschlag. Poch poch poch. Sehr schnell. Rhythmisch. 160. Ich spüre Herzklopfen. Das ist mein Kleines. Hallo mein Baby, wie ich sehen konnte geht es dir gut da drin. Eine Weile müssen wir uns noch gedulden, bis du kommst.

Ich genieße jetzt erst mal die Schwangerschaft, den bisweilen geht es mir ausgezeichnet und auch die vorübergehende Übelkeit hat sich wieder verabschiedet.

Die Untersuchung ist beendet, der nächste Termin wird vereinbart. Ich bekomme den Mutterkindpass und ein Ultraschallbild. Zu Hause starre ich auf das Bild. Eine unglaublich große Freude und tiefe Erfüllung macht sich in mir breit. Ich lächle in mich hinein und spüre mein Herz klopfen. Jetzt sitze ich hier und schreibe diese Zeilen nieder, während mir Freudentränen in die Augen schießen. Ein Gefühl des Glücks, das ich ganz besonders festhalten muss. Ich verweile noch ein wenig in meiner Position und sauge dieses Gefühl von Wärme auf. Und wieder spüre ich es. Herzklopfen.

© Andrea Kirchler 12.05.2020