Die Jagd nach dem Schöpflöffel

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Die Jagd nach dem Schöpflöffel | story.one

So ist das aber nicht ausgemacht. Ich hab’ doch extrig das superflauschige „365-Tage-Gute Laune-Paket“ dazubestellt. Müssen sich da jetzt wirklich Zwiedertage einschleichen wie Santer bei Winnetou?

Zum gemächlichen Start werden akustische Akzente gesetzt. Der Nachbar bohrt sich direkt in meinen Kopf. Sie montieren wohl einen sofagroßen Wandsafe aus solidem Stahl, aber nicht ohne ihn vorher siebzehn Mal kreuz und quer durch die Wohnung zu schieben. Kaum tasten meine Zehen erweckt nach den Kuschelsocken neben dem Bett: Zack, zack, zack. Stille.

Die schaurigkalten Fliesen im Badezimmer wollen sich nicht um die Burg durch gutes Zureden erwärmen. Weil. Heizung einschalten. Schwierig. Dafür müsste ich ja bis zum Balkongeländer vor. Und das scheint mir höhenängstlich nur kniehoch zu sein. Dann noch eine Hand todesmutig nirgends festkrallen, den Kasten öffnen, mich an die Erklärung erinnern und das Einschaltdingens finden? Pfuh. Um das alternativ robbend zu erledigen ist der Kasten zu hoch. Bin ja kein Liegriese. Aber vielleicht abverkauft jemand Kuscheldecken. Dann wird’s schon gehen im Winter.

Im Radio reden sie wieder Georgisch. Kruzifix. Nach Nacht 27 verstehe ich das immer noch nicht automatisch.

Reduzieren, minimieren. Vereinfachen. Gut. Große Töne beim Ausmisten vor dem Auswandern. „Aber ist ein Leben nach dem Staubsauger überhaupt möglich?“, frage ich mich und sehe den Brotbröseln beim Fliegen zu. Ersatzhandelnd wird jetzt gewischt was das Zeug hält. Bis der Stiel knickt. Mit Puddingknien und einer Hand an der Wand hänge ich die nassen Fetzen übers Balkongitter. Fast schon schön, dass mich keiner meiner Siebterstocknachbarn dabei beobachtet. Obwohl, der veitstanzende Versuch, die Gummihandschuhe von ihrem Kuschelbedürfnis zu befreien: So was sieht man halt auch nicht alle Tage.

Schluss. Raus. Gönn’ dir. Etwas Unverzichtbares. Essentielles. Launenbooster quasi. Einen Schöpflöffel. Nicht mehr und nicht weniger.

Natürlich kleide ich mich datumsgemäß. So bin ich anhand der Schweißlacken, die mir auf den Fuß folgen auch einfach zu orten. Ausnahmslos alle anderen Frauen sind luftig, faltenbefreit, modellschön, gutgelaunt und begleitet. Dafür finde ich in Geschäft Nummer vier meinen Löffel. Den letzten seiner Art. Schläulich verstecke ich ihn hinter Artverwandten, damit er wohl auf dem Rückweg noch meiner harrt.

Zwei Stunden und Sackerln mit anderem überlebensnotwendigen Zeugs später, hechtet mir der Sicherheitsmann, der eindeutig über dem heimischen Pensionsantrittsalter liegt, hinterher. Selbstverfreilich gehört das Erstandene weggesperrt. In dem Fall verstehe ich fließend.

Ausgiebig beaugapfelt gehört alles, was ich mir minimierend verkneife und schon schwinge ich den Löffel meiner Wahl stolz singulär zur Kasse. Der Sicherheitsmann macht sich auf den Weg. Ich mich zu ihm. Er schenkt mir ein herzinniges Lächeln und ein „Good night!!“. Schon ist das Leben wieder schön.

© Andrea Plank 17.10.2019