Zisch. Hup. Stink. Zwusch.

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Zisch. Hup. Stink. Zwusch. | story.one

Ich bin umzingelt. Im Nirgendwo. Sie sind allüberall. Große, aggressive, wendige, alte, voll bis obenhin. Ich kreisle verloren. Schnell. Ich muss weg hier. Da stimmt was nicht. Es sind viele. Viel zu viele.

Auf Anhieb entscheide ich mich. Für die falsche Richtung. Wie immer. Lungenfeindliches Suchtmittel schlägt schnell Leichtigkeit auf´s Gemüt. Einen Zahn lege ich zu.

„Wie konnte es nur so weit kommen? Falsch, alles falsch...“, japse ich und werfe meine Augen über die Schulter. „Aus gar unreinem Übermut...“, brabbelt ein stets bummelwitziges Stimmchen inwendig.

Dabei kulminiert doch anfangs alles so erklecklich.

Ich will ihn. Alles würde ich für ihn tun. Ich brauche ihn. Ganz und gar. Mit langen Beinen, robust, stemmen muss er halt was können, nicht einknicken, mich aushalten, mein Gezeter, Gelächter, tanzen will ich auf ihm im Zenit. Er darf auch schon Gebrauchsspuren haben. Erfahrung. Er muss sich anpassen. Aber nur ein bisschen. Mir treu und ergeben. Einerlei, ob weiß oder schwarz. Ganz wetzig macht mich der Gedanke an ihn. Ja. Ich bin bereit. Bereit, ihn in mein Leben zu lassen. Nach so langer Zeit. Ein Arbeitstisch muss her.

Das Internetz sagt mir wo es lang geht, um meine organzerfetzende Sehnsucht zu stillen. In diesem speziellen Fall mag ich das. Fünfjährig vor Vorfreude hopple ich in den Bus, finde sogar auf Anhieb das Maschinchen, nur beim Ticketziehen nehme ich ungeniert die Hilfestellung vom amtierenden Fahrscheinchef in Anspruch. Zwanzig Stationen, neunzehn, acht. Die Stadt läuft aus. So schnell flutschen meine Linsen gar nicht. Hoch-, Auto-, Einkauf-, Polizeihäuser, zwei, vier, sechs Fahrbahnen. Conchita jetzt. Tisch. Ich komme. Nur noch ein bisschen... ja!, jaaa... echt jetzt?

Knapp vor der jauchzenden Entspannung beschleunigt der Bus meines Vertrauens. Fährt. Fährt weiter. Kurvt. Interruptus für´s Erste.

Schnellscan. Nur sechs Fahrbahnen zwischen uns. Erregt winke ich ihm schon einmal hinüber. Glänzend schaut er aus. Direkt vor meiner Nase. Bebend setze ich zum Vehikelslalom an, da locht mir ein Graben grad noch ins Gemüt. Schwierig. Weil die Knie ja so kaputt seit 25 Jahren. Obwohl Sprungdistanz, no, kaum zwanzig Autolängen. Geifer tropft. Vernunft siegt.

Blick auf die Karte. Nur zwei Kilometer bis zum nächsten Übergang. Macht vier. Blick auf die Realität. Entlang der Schnellstraße. Leitschienentango quasi.

Uhrzeit x Magenknurren : Schuhwerk = Aufgabe. „Ich seh´ dich morgen!“, hauche ich ihm tränenschwanger zu. Er hat Verständnis und wirft gekonnt eine elende Kusshand durch die Schwaden.

Sechs Spuren Abfahrt und Zubringer gepaart mit zwei Tanken später, dampft sportlicher Deoodeur durch den Mantel. „Nichts an Sprintkraft eingebüßt“, versuche ich todesmutig das Herzklopfen zu übertönen, „und wo ist jetzt die versprochene Haltestelle?“ Vereinsamt schlendert mein Blick schwitzend umher.

Kein Schild. Kein Mensch. Kein Tisch. Das ist lustig. Morgen mache ich das noch einmal.

© Andrea Plank 24.11.2019