Vorbereitung ist die halbe Miete

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Vorbereitung ist die halbe Miete | story.one

Die Sommerzeit nutze ich gerne für schöne Tagesausflüge oder verlängerte freie Wochenenden. Oft verbunden, um in der Natur Kraft zu tanken oder zur persönlichen Weiterbildung bei Städtereisen.

In jungen Jahren habe ich mich oft einer Reisegruppe angeschlossen. Da werden meistens die bekanntesten Plätze und Orte besucht und ich bekomme eine erste Orientierung und einen ersten Eindruck von der Stadt. Die freie Zeit, die bei solchen Reisen auch immer enthalten ist, nutze ich gerne, um Gassen und Straßen zu erkunden, die abseits von den Touristenpfaden liegen. Ich möchte den Flair der Stadt spüren und interessiere mich für die Lebensweise der Menschen: mit welchen Problemen haben sie in ihrer Stadt zu kämpfen, wie läuft der Alltag ab und was könnten wir von ihnen lernen.

Obwohl bei Teilnahme an Gruppenreisen die Planung entfällt, sind doch noch immer einige Vorbereitungen zu treffen. Zunächst gilt es gute Unterlagen zu besorgen und sich einzulesen, denn nicht alle Reiseleiter können dir deine Fragen beantworten, die man zu einer Sehenswürdigkeit oder dem Alltagsleben hat. Am besten sind natürlich persönliche Empfehlungen von Freunden und Bekannten, die selbst schon vor Ort waren und daher die geheimen Tipps für dich parat haben.

Und dann ist da noch die Frage betreffend Gepäck. Selbst wenn man nur vier oder fünf Tage unterwegs ist, so gilt es abzuwägen zwischen bequem und doch nicht zu sportlich, vielleicht auch ein elegantes Kleid falls ein Abendprogramm geboten wird. Dann noch was Warmes für kühle Tage und natürlich Regenschutz. Ich habe meistens den größten Koffer der Gruppe, aber ich will ja für alle Fälle vorbereitet sein.

Wenn du nun vielleicht auch denkst, dass ich mit diesem Aufwand übertreibe, dann lies mal weiter.

Vor etlichen Jahren war ich mit meinem Partner in Istanbul. Bei der Fahrt vom Flughafen zum Hotel erklärte uns der Reiseleiter, weshalb alle Straßen so verstopft sind. Die Menschen waren so verzweifelt, weil es schon so lange nicht geregnet hat und sie befürchteten bereits eine Trinkwasser-Knappheit. So trafen sich die Menschen abends jetzt zu Gebetsrunden und vertrauten auf ihre Wirkung.

Als wir dann endlich unsere Zimmerschlüssel hatten, war es schon spät und wir legten uns erschöpft vom langen Tag gleich ins Bett. Mitten in der Nacht wurde ich von einem klopfenden Geräusch geweckt und überlegte, was das sein könnte. Nach einiger Zeit ging mir buchstäblich ein Licht aus: Regentropfen auf der Fensterbank.

Am nächsten Morgen war der Himmel grau in grau. Wir zogen unsere langen Hosen an und nahmen unsere Regenjacken aus dem Koffer. Als wir zum Frühstück kamen, sahen uns die übrigen Teilnehmer entgeistert an: wieso habt ihr gewusst, dass das Wetter hier umschlägt? Ihr seid die einzigen, die heute richtig ausgerüstet sind.

Die Reisenden saßen fröstelnd in ihren T-Shirts und mit ihren Sonnenbrillen bei Tisch. Mein Partner und ich lachten und sagten: gute Vorbereitung hat sich noch immer gelohnt!

© Andrea Stix 01.08.2020