Achtung, Mama kommt mit dem Gartenschlauch

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Es liegt plötzlich eine verdächtige Stille über dem Raum, während ich in der Küche das Essen vorbereite. Haben nicht gerade eben noch die Kinder hinter mir im Wohnzimmer gespielt? Nur ein offener Rundbogen und wenige Meter trennen meinen Arbeitsbereich vom Spielteppich. Ich halte inne und spitze meine Ohren. Nichts, es ist absolut nichts zu hören. Irgendetwas stimmt da nicht. Ich drehe mich um und bewege mich mit langsamen, schleichenden Schritten auf das Wohnzimmer zu..

Meine Schwester krabbelt seit kurzem und jetzt wo sie mobil ist, macht es richtig Spaß, ihr als großer Bruder coole Dinge zu zeigen. Irgendwie war unser Spiel langweilig, als mein Blick auf den Kachelofen fiel. Im Winter wütet hinter der Glasscheibe das Feuer und das ist richtig heiß. Das war eines meiner ersten Wörter. Ich weiß, was das bedeutet, da traue ich mich nicht hin, aber jetzt im Sommer ist es nur draußen richtig heiß. Die Glastür ist schnell offen und drinnen ist alles voll mit diesem grauen Staub, so viel davon. Flora ist nun neugierig und hat sich unter das offene Loch gesetzt. Ich schaufle etwas Staub zu ihr runter. Sie kann ja noch nicht selber rein greifen. Ich lasse es mal für Flora schneien. Das fühlt sich richtig gut an..

Aus der Küche kommend biege ich um die Kurve und bleibe wie angewurzelt stehen. Der aufsteigende Ärger wird von einem Lachanfall erstickt und voller Überraschung bringe ich im ersten Moment kein Wort hervor. Mein 2,5 Jahre alter Sohn hält in seinem Tun inne und starrt mich mit einem unschuldigen Blick an. Der Wohnzimmerboden ist großflächig mit Asche übersät und vor mir sitzt ein Greisenbaby. Mit einem Aschehäubchen gefärbte graue Haare. Sogar die Wimpern sind vom Herunterrieseln des grauen Staubes eingefärbt. Der Mund bewegt sich leicht auf und zu, so als würde ein Fisch nach Luft schnappen und der Rest des Körpers ist mit einer dicken Ascheschicht bedeckt. Nicht einmal ein Profi-Maskenbildner würde das besser hinkriegen. Irgendwie schaut sie erbärmlich aus, wie sie da so vor mir sitzt, aber sie gibt keinen Ton von sich, ist fasziniert von dem neuen Element, welches sie Dank ihres Bruders entdecken durfte.

Nachdem die Szenerie erst mal auf dem Foto festgehalten ist - so etwas sieht man ja nicht alle Tage - frage ich mich, wie ich die Kinder am schnellsten wieder sauber kriege. Diese beiden Rauchfangkehrer kann ich nicht durchs ganze Haus Richtung Badezimmer schleppen, ohne überall Asche zu verteilen. Somit ist schnell klar, ohne Vorwäsche geht da gar nichts. Da hilft nur der Gartenschlauch. Ich setze die Kinder raus in den Garten, stecke den Gartenschlauch an und mache mich ans Säubern. Die Kinder lassen angesichts des heißen Sommertages die kalte Dusche geduldig über sich ergehen.

Seit diesem Tag ist der Erziehungskatalog meines Mannes um eine Maßnahme reicher. Der Trumpf sozusagen, wenn die Kinder mal schlimm sind und sonst nichts hilft, hört man ihn rufen: "Achtung, brav sein, sonst kommt die Mama mit dem Gartenschlauch!".

© Andrea Tanner