Südchile..

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Südchile.. | story.one

Nach meiner Ankunft in Chile sind die ersten 10 Tage in Pucon wie im Flug vergangen. Es gibt dort viele Familien mit deutschen Wurzeln aus der 4./5. Generation, da diese Stadt vor ca. 120 Jahren als Initiative der chilenischen Regierung durch Einwanderung von deutschen Familien gegründet wurde. Bis dahin war die Gegend nur von den mapuches bewohnt, die Jahre zuvor die spanischen Eroberer erfolgreich zurückdrängen konnten.

Durch die bescheidene, hilfsbereite Mentalität habe ich die Leute hier sofort ins Herz geschlossen. Der Abschied von meiner Gastfamilie war nach dieser kurzen Zeit unerwartet schwer und von Tränen begleitet.

Weiter ging meine Reise nach Castro, der Hauptstadt von Chiloe - die größte Insel am Feuerland Archipel. Beim Herumstreifen durch die Straßen habe ich einem der vielen streunenden Hund wohl einen zu netten Blick geschenkt, wodurch er mir nicht mehr von der Seite wich. Beim Besuchen einer Kirche mußte er draußen warten. Ich saß gerade andächtig in der Kirchenbank, versunken in der Betrachtung des Altars, als ich die Tür quietschen hörte und einen kurzen Moment später die freudigen Sprünge meines neuen Freundes wahrnahm, nachdem er auf der Suche nach mir durch die ganze Kirche gefegt war. Das war mir in diesem Moment urpeinlich, aber andererseits konnte ich ihm nicht böse sein, also machte ich mich unter dem ernsten Blick der anderen Kirchenbesucher aus dem Staub, um Hundefutter zu besorgen. Sein Magen war wahrscheinlich das erste Mal seit langem voll und die Freude in seinen Augen war unbeschreiblich groß, dafür war der Abschied am nächsten Tag umso unerträglicher, als ich ihn schweren Herzens am Busbahnhof zurücklassen mußte. Ich wagte es nicht mehr in seine Augen zu blicken, die so viel Treue versprachen. Unter anderen Umständen hätte ich ihn sofort mitgenommen.

Auf halbem Weg stieg ich aus, um eine Bekannte von der langen Santiago Busfahrt zu besuchen. Ich hatte dem Fahrer die Beschreibung weitergegeben und er hat mich direkt vor dem richtigen Haus aussteigen lassen - unglaublich nett - leider war sie nicht zu Hause. Dafür traf ich eine Französin, die sich mir anschloss die Gegend zu erkunden. Der Weg wurde von einem Bach abgeschnitten und von starken Winden begleitete heftige Regenfällen (chubascos) setzten ein. Plötzlich tauchten am Horizont 2 Reiter auf, die uns mitnahmen und mit uns durch Wind und Regen ritten - was für ein Erlebnis! Nach einem netten Abend wurden wir von den Besitzern unseres Quartiers umsorgt wie zu Hause. Wir haben uns am warmen Ofen gewärmt, Tee getrunken und der heimischen Volksmusik gelauscht. Zu später Stunde hat wieder ein Chubasco losgelegt, das Haus hat gewackelt, als würde es jeden Moment einstürzen. Tags darauf ging es Richtung Norden, raus aus dem vielen Regen, auch wenn ich die Leute dort sehr vermißt habe.

Ich liebte diese Art zu reisen: am Morgen aufzustehen, nicht genau zu wissen was einen erwartet und dann mit dem Gefühl etwas erlebt zu haben ins Bett zu gehen.

© Andrea Tanner